Gekommen, um zu helfen
Okay, im Deutschen Schauspielhaus Hamburg wird keine Bombe geworfen. In Federico Fellinis Porträt einer dem Untergang geweihten Schiffsgesellschaft «E la nave va» (1983) dagegen schon. Dort schleudert sie am Vorabend des Ersten Weltkriegs ein serbischer Jugendlicher, der mit mehreren Dutzend gerade erst aus Seenot geretteten Leidensgenossen nach dramatischen Verhandlungen vom Luxusliner «Gloria» an die österreich-ungarische Marine ausgeliefert werden soll, auf das nahende Kriegsschiff.
Ein selbstgebautes Bömbchen mit fatalen Folgen, denn der Kreuzer feuert schwer zurück und versenkt die mit der Crème der europäischen Opernszene beladene Edelbarke. Der überlebende Chronist, der zauselbärtige Journalist Orlando, wundert sich aus dem Off, dass der Attentäter zu so einer selbstzerstörerischen Tat überhaupt imstande war. Schließlich war er doch frisch verliebt, und zwar in Orlandos eigene Flamme, eine blutjunge höhere italienische Tochter, die dem Junganarchisten völlig freiwillig vom Luxusdeck in die Kriegsgefangenschaft gefolgt ist.
Die schönsten Frauen spannen sie uns aus, undankbar sind sie, und dann zündeln sie auch noch so lange herum, bis der ganze Laden in die Luft fliegt: ...
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Theater heute Februar 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Eva Behrendt
Das Almeida Theatre in Londons Norden steht, seit Rupert Goold die Intendanz übernommen hat, für und auf Klassiker-Updates. Nach einem komplexen «Kaufmann von Venedig» in Las Vegas machte man sich nun an die «Orestie». Die setzt Regisseur Robert Icke in seiner eigenen Fassung in ein unbestimmtes Heute, wo der Realpolitiker Agamemnon in seinem smarten grauen Anzug...
Als «massives Kompendium des Zornwissens», ohne «das die Dramen des 20. Jahrhunderts nicht angemessen beschreibbar sind», hat Peter Sloterdijk das Marxsche Werk einmal bezeichnet. Womit recht gut die Faszination bezeichnet ist, die Marx noch immer auf die Dichter und Denker ausübt. Die Arbeitswerttheorie, die Verelendungstheorie oder die Thesen zum tendenziellen...
Franz Wille Frau Kisseler, Sie sind ein gutes halbes Jahr Präsidentin des Deutschen Bühnenvereins, traditionellerweise eher eine Aufgabe für wettergegerbte Altintendanten wie August Everding, Jürgen Flimm oder zuletzt Klaus Zehelein. Wie sind Sie in dem neuen Amt angekommen?
Barbara Kisseler Ich fühle mich von den Mitgliedern getragen. Ich hatte im Stillen...
