Gekommen, um zu helfen
Okay, im Deutschen Schauspielhaus Hamburg wird keine Bombe geworfen. In Federico Fellinis Porträt einer dem Untergang geweihten Schiffsgesellschaft «E la nave va» (1983) dagegen schon. Dort schleudert sie am Vorabend des Ersten Weltkriegs ein serbischer Jugendlicher, der mit mehreren Dutzend gerade erst aus Seenot geretteten Leidensgenossen nach dramatischen Verhandlungen vom Luxusliner «Gloria» an die österreich-ungarische Marine ausgeliefert werden soll, auf das nahende Kriegsschiff.
Ein selbstgebautes Bömbchen mit fatalen Folgen, denn der Kreuzer feuert schwer zurück und versenkt die mit der Crème der europäischen Opernszene beladene Edelbarke. Der überlebende Chronist, der zauselbärtige Journalist Orlando, wundert sich aus dem Off, dass der Attentäter zu so einer selbstzerstörerischen Tat überhaupt imstande war. Schließlich war er doch frisch verliebt, und zwar in Orlandos eigene Flamme, eine blutjunge höhere italienische Tochter, die dem Junganarchisten völlig freiwillig vom Luxusdeck in die Kriegsgefangenschaft gefolgt ist.
Die schönsten Frauen spannen sie uns aus, undankbar sind sie, und dann zündeln sie auch noch so lange herum, bis der ganze Laden in die Luft fliegt: ...
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Theater heute Februar 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Eva Behrendt
Die neuen Orte mit der neuen Kunst, das ist auch so eine Schimäre. Die Kunst ist an diesen Orten immer «spannend». Man rennt diesen Orten hinterher und kommt nie bei ihnen an. Und weiß das sogar vorher. Aber die Schimäre bleibt. Das Rennen auch. Wahrscheinlich hat es was mit den eigenen Anfängen zu tun, als man irgendwo war, es aufregend fand, wieder hinging, es...
Doppelter Dostojewski in München: Christian Stückl inszeniert «Schuld und Sühne» am Volkstheater, und Christopher Rüping gibt mit «Der Spieler» seinen Einstand an den Kammerspielen. Mit seinen ausschweifenden Romanen aus dem prärevolutionären Russland liefert Dostojewski nach wie vor ergiebiges Ansichtsmaterial für desillusionierte Westeuropäer angesichts wankender...
Das war knapp. Um ein Haar wären Teile von Falk Richters «Fear» an der Berliner Schaubühne einer einstweiligen Verfügung zum Opfer gefallen, die Hedwig von Beverfoerde, Sprecherin von «Demo für alle», gegen das Theater im Dezember schon erwirkt hatte und der sich die AfD-Vizevorsitzende und Europaparlaments-Abgeordnete Beatrix von Storch angeschlossen hatte. Beide...
