Gegensätze zieht sie an
Diese Frau soll Kostümbildnerin sein? Zur blauen Jeans trägt sie ein schlichtes, geripptes schwarzes Shirt mit Spaghettiträgern, die wilden Locken hat sie mit einer Spange am Hinterkopf gebändigt, eine schwarze Schirmmütze über die dunklen Haare geschoben. So unauffällig sehen doch Kostümbildner:innen nicht aus; das sind doch die, die man beim Premierenapplaus immer an den ausgefallenen Outfits erkennt.
Nicht so Sabrina Bosshard. Die 39-jährige Zürcherin erregt lieber mit ihren Kostümen Aufsehen. Da kann es ihr nicht schrill, nicht künstlich genug sein.
Etwa diese Kneipengesellschaft von Werner Schwabs «Übergewicht, unwichtig: Unform» am Staatstheater Nürnberg, das zum Theatertreffen eingeladen wurde: Alle Spieler:innen stecken in rosafarbenen Latexkörpern, aus denen dicke kurze Beinchen links und rechts in die Luft ragen (die eigenen Beine bringen dunkle Strümpfe optisch zum Verschwinden). Masken machen alle zu Glatzenträger:innen, lassen nur die Augen frei und den Mund, den wulstige Lippen überbetonen. An den Leibern tragen sie schrillrote oder schreiend grüne kurze Kleidchen für die weiblich gelesenen Wesen, aus tiefen Ausschnitten lugen silberne Brüste mit knallroten Nippeln ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Höhepunkte der Spielzeit, Seite 26
von Valeria Heintges
Im Einkaufsgroßzentrum West-Ost sitzen die Dichter die Denker beim Skat im Bürgersaal kalt da / bürgern wir aus bleiben anständig dabei» – und denken: Wirklich eine üble Geschichte, die uns verfolgt.
Im Juni 2024 ist das Wetter extrem, Schwarz-Rot-Gold baumelt wieder an Autos, an Fensterbänken, steckt in Eisbechern, man hofft auf ein neues Sommermärchen und ein...
Wie fühlt es sich eigentlich an, in einem der größten zusammenhängenden Betonfundamente Euro - pas – dem Hannoveraner Ihme-Zentrum – aufzuwachsen? «Betonklotz 2000» erzählt die Geschichten vier junger Menschen, für die dieses, einst als utopisches Stadtkonzept geplante Bauwerk, soziale Ungleichheit und Realität bedeutet. Zwischen Verfall und Gentrifizierung...
Die Ampel an der Kreuzung steht auf Rot. Ich texte in mein Smartphone: Und was, wenn die Geschichte mit einem Trigger beginnt?
Nein. Das geht auf gar keinen Fall. Meine Lektorin setzt zwei Ausrufezeichen dahinter, und ergänzt: Das triggert die Leute, die lesen dann nicht weiter.
Ich stehe am Abzweig zwischen Abwehr und Angriff. Am rechten Straßenrand stehen...
