Gegensätze zieht sie an
Diese Frau soll Kostümbildnerin sein? Zur blauen Jeans trägt sie ein schlichtes, geripptes schwarzes Shirt mit Spaghettiträgern, die wilden Locken hat sie mit einer Spange am Hinterkopf gebändigt, eine schwarze Schirmmütze über die dunklen Haare geschoben. So unauffällig sehen doch Kostümbildner:innen nicht aus; das sind doch die, die man beim Premierenapplaus immer an den ausgefallenen Outfits erkennt.
Nicht so Sabrina Bosshard. Die 39-jährige Zürcherin erregt lieber mit ihren Kostümen Aufsehen. Da kann es ihr nicht schrill, nicht künstlich genug sein.
Etwa diese Kneipengesellschaft von Werner Schwabs «Übergewicht, unwichtig: Unform» am Staatstheater Nürnberg, das zum Theatertreffen eingeladen wurde: Alle Spieler:innen stecken in rosafarbenen Latexkörpern, aus denen dicke kurze Beinchen links und rechts in die Luft ragen (die eigenen Beine bringen dunkle Strümpfe optisch zum Verschwinden). Masken machen alle zu Glatzenträger:innen, lassen nur die Augen frei und den Mund, den wulstige Lippen überbetonen. An den Leibern tragen sie schrillrote oder schreiend grüne kurze Kleidchen für die weiblich gelesenen Wesen, aus tiefen Ausschnitten lugen silberne Brüste mit knallroten Nippeln ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Höhepunkte der Spielzeit, Seite 26
von Valeria Heintges
Jacob McNeal ist das Paradebeispiel für den sprichwörtlichen alten weißen Mann und ein Prototyp für eine heute zunehmend als toxisch gebrandmarkte Männlichkeit. Diese mag zwar im Aussterben begriffen sein, ist aber immer noch voller Schaffenskraft und für – auch positive – Überraschungen gut.
Jacob McNeal entspringt der Fantasie des Autors Ayad Akhtar, der ihn uns...
Leipzig. 26. Mai 2024. 11 Uhr. Sonntag. Der letzte Tag des 12. Sächsischen Theatertreffens.
Zwei Wochen vor der Europawahl. Am Abend wird die Jury – in diesem Jahr hat jedes der teilnehmenden Häuser einen Menschen aus seiner Stadtgesellschaft nominiert (welch wunderbar demokratische, auch inhaltlich lohnende Idee!) – drei Preise vergeben. Erst aber steht die...
Wenn Wände sprechen könnten, dann würden sie in einem Altbau Geschichten von zahlreichen Menschen erzählen, die aus den verschiedensten Gründen kamen und gingen und sich in ihren Wohnungen in unterschiedlichen Sprachen unterhielten. Ein Umstand sorgt für besonderen Gesprächsbedarf in dem Altbau, den Raphaela Bardutzky zum Schauplatz ihrer «Schaueroper» gemacht hat:...
