Weniger ist mehr
Der Maler Malewitsch war einen weiten Weg gegangen, bis er 1918 das epochale weiße Quadrat schuf. «Weiß auf Weiß». Es war der suprematistische Schlusspunkt eines Strebens nach immer radikalerer Abstraktion, nach Aufhebung der Gestalt in der reinen immateriellen Geistigkeit. Die letzte Reduktion von Farbe und Form.
Einen gänzlich anderen Weg verfolgte der Maler Robert Rauschenberg, als er 1951 seine «White Paintings» schuf.
Für Rauschenberg war das weiße Bild ein Spiegel der Umwelt, sorgsam ausgeleuchtet und darauf berechnet, dass die Betrachterin mit ihrem Schatten auf der Oberfläche reflektiert wird.
So paradox es klingen mag: Beide gegenläufigen Projekte stecken in dem Potsdamer «Serotonin»-Abend, der sich in das ikonografische Gedächtnis des Theaters einprägen wird wie die Werke der großen Maler. Ein weißer Mann in weißer Box, weiß gekleidet, weiß ausgeleuchtet, kaum bewegt, allein, fünf Stunden lang, mit einem Romantext von Michel Houellebecq. Der Mann ist Guido Lambrecht. Sein Spiel: maximaler Entzug, als habe er das Nichts geküsst. Der Effekt: unerbittliche Spiegelung. Selten spürte man als Zuschauer seine eigene Anwesenheit wie hier.
Mit «Serotonin» in der Regie von ...
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Theater heute Mai 2026
Rubrik: Akteure, Seite 50
von Christian Rakow
BERLIN, KÄTHE-KOLLWITZ-MUSEUM bis 3.5.
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