Ganz bei und völlig außer sich

Was fehlt? - Karin Beiers Aneignung des «Goldenen Vlies» von Grillparzer im Schauspiel Köln

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Auch hier regiert ein Gott des Gemetzels. Diese Menschen sind von allen guten Geistern verlassen. Was für gewöhnlich hinter gesellschaftlichen Verabredungen und guten Sitten verborgen liegt, tritt krass zu Tage. Karin Beier spannt «Das Goldene Vlies» in den Rahmen einer Alltagsgeschichte – einer ungeheuren: Kolchis und Korinth als Metapher, Schauplätze für Menschen, die einander fremd geworden sind.

Die kühne und karge Aneignung des Grillparzer-Dramas enthält sich jeglicher Zutat, ist von äußerem Aufwand und Ablenkung (auch von Beiers sonst gern aufschäumender Fantasie) gesäubert, drängt sich nie auf, konzentriert sich auf die nur vier Schauspieler: Maria Schrader, Patrycia Ziolkowska, Carlo Ljubek, Manfred Zapatka. Die Inszenierung arbeitet prägnant mit Verweisen und Leitmotiven, Chiffren und Zeichen, die das Mythenmaterial zusammenfügen, filtern und verdichten: Play Bergman! In ihrer Hochgespanntheit, souveränen Intelligenz, ästhetischen Stringenz und psychologischen Reife scheinen diese Szenen einer Ehe überhaupt Beiers bislang beste Arbeit, nicht nur am Schauspiel Köln. Das Sinnlich-Furiose ihres Theaters aber bleibt bewahrt in der radikal physischen Nähe, der Jens Kilians ...

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Theater heute Mai 2009
Rubrik: Prädikat Bemerkenswert, Seite 16
von Andreas Wilink

Vergriffen
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