Antiker Shitstorm

Thomas Köck «vendetta vendetta (a bunch of opfersongs)» (U) im Schauspiel Leipzug

Theater heute - Logo

Die Erinnyen sind durch. Total durch. Die Rachegöttinen schimpfen als dreifache Lucrecia über den scheiß mittelmäßigen deutschen Regen, scheißen auf den Mythos, scheißen auf die Mitte: «Alles wird von der Mitte zersetzt.» Scheiß Mythos Mitte. Und dann ist da noch das Problem mit der Rache. Das Konzept ist irgendwie am Arsch, keiner weiß, warum sie immer noch wichtig ist, der Ursprung, die Urtat weicht immer zurück, aber irgendwo zwischen Medea, Kohlhaas und Djokovic muss doch was zu finden sein. Aber im Zweifel hat das Recht sie ja ersetzt und überflüssig gemacht.

Aber immerhin, Opfer gibt es noch, jede Menge und das ist doch auch schon was.

Thomas Köck bläst in seiner Uraufführung von «vendetta, vendetta (a bunch of opfersongs)» zum großen diskursiven Generalangriff. Sein Text, den er selbst auf der Hinterbühne des Leipziger Schauspiels inszeniert, knüpft munter frei liegende Enden und Themen zusammen, um irgendwas herauszubefördern aus diesen Schichten und tausend Plateaux von Recht, Rache, Opfer und Tagespolitik. Zwischen moderner Internetwelt und antiken Rachemythen scheint es irgendein unsichtbares Band zu geben, denn «nichts feuert so gut wie ein Shitstorm». Der Text ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2022
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Torben Ibs

Weitere Beiträge
Zwischen zwei Welten

Eva Behrendt In Ihrem Stück «White Passing» geht es viel um Wohnungen und Berliner Stadtteile, unter anderem, weil sich daraus – vermeintlich, aber auch real – Klassen- und Statusfragen ablesen lassen. Wo befindet sich die Wohnung, aus der Sie gerade zoomen?
Sarah Kilter Die liegt, anders als im Stück, weder im Wedding noch in Charlottenburg, sondern in Prenzlauer...

Aus der Zeit gesungen

Niemand kann etwas für seine Lust. Aushalten muss man sie trotzdem, und das ist nicht immer leicht, vor allem wenn «Der Drang» quer zur gesellschaftlichen Konformität läuft oder nicht so richtig aus sich heraus kann – oder schlicht nicht auf Gegenliebe trifft. Friedhofsgärtner Otto, ein Prachtexemplar patriarchaler Selbstüberschätzung, hat sich eine...

Smells like Jugendzentrum

Willkommen im alternativen Jugendzentrum, nur echt mit Bühnenelementen aus Bierkästen und cooler Riot-Girls-Band, die mit Elektropunk einmal so richtig vom Leder zieht. In diesem Setting lassen Regisseurin Kathrin Brune und Kostüm- und Bühnenbildnerin Pia Wessels im Chemnitz die Uraufführung von Paula Irmschlers Debütroman «Superbusen» von der Leine. 

Tatsächlich...