Antiker Shitstorm
Die Erinnyen sind durch. Total durch. Die Rachegöttinen schimpfen als dreifache Lucrecia über den scheiß mittelmäßigen deutschen Regen, scheißen auf den Mythos, scheißen auf die Mitte: «Alles wird von der Mitte zersetzt.» Scheiß Mythos Mitte. Und dann ist da noch das Problem mit der Rache. Das Konzept ist irgendwie am Arsch, keiner weiß, warum sie immer noch wichtig ist, der Ursprung, die Urtat weicht immer zurück, aber irgendwo zwischen Medea, Kohlhaas und Djokovic muss doch was zu finden sein. Aber im Zweifel hat das Recht sie ja ersetzt und überflüssig gemacht.
Aber immerhin, Opfer gibt es noch, jede Menge und das ist doch auch schon was.
Thomas Köck bläst in seiner Uraufführung von «vendetta, vendetta (a bunch of opfersongs)» zum großen diskursiven Generalangriff. Sein Text, den er selbst auf der Hinterbühne des Leipziger Schauspiels inszeniert, knüpft munter frei liegende Enden und Themen zusammen, um irgendwas herauszubefördern aus diesen Schichten und tausend Plateaux von Recht, Rache, Opfer und Tagespolitik. Zwischen moderner Internetwelt und antiken Rachemythen scheint es irgendein unsichtbares Band zu geben, denn «nichts feuert so gut wie ein Shitstorm». Der Text ...
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Theater heute Mai 2022
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Torben Ibs
Der kleine Prinz ist zurück. Er trägt einen gelben Schal zum grünen Hemd und findet nach einer langen Reise den Heimweg nicht mehr. Nur der tödliche Biss einer Schlange kann ihn zurückbringen zu seiner Rose, die ihn braucht. Arne De Tremerie stürzt längs hin. So kann er aussehen, der Theatertod.
Der kleine Prinz war De Tremeries erste Theaterrolle, da war er noch...
Willkommen im alternativen Jugendzentrum, nur echt mit Bühnenelementen aus Bierkästen und cooler Riot-Girls-Band, die mit Elektropunk einmal so richtig vom Leder zieht. In diesem Setting lassen Regisseurin Kathrin Brune und Kostüm- und Bühnenbildnerin Pia Wessels im Chemnitz die Uraufführung von Paula Irmschlers Debütroman «Superbusen» von der Leine.
Tatsächlich...
Hier entsteht gerade ein Gefängnis – nicht Gitterstab um Gitterstab, aber Wand um Wand. Ein einfaches Haus wird gebaut auf der kleinen Bühne im Ballhof des Hannoverschen Staatsschauspiels, von einem einfachen Mann – und hinter den Kulissen, die Michael Sebastian einer nach der anderen hereinträgt und montiert, werden am Ende all die Geschichten versteckt sein, die...
