Fremd im eigenen Fell
Das 20. Jahrhundert ist zu Ende, doch an der Last dieses wirren Zeitalters tragen wir noch immer, an seinem Nachlass aus politischen und religiös-fundamentalistischen Ideologien, am Erbe von Kriegen, Revolutionen und Diktaturen, an mörderischer Gewalt und neuen globalen Gefahren. Die Epoche von Verdun und Stalingrad, Auschwitz und Gulag, Hiroshima und Tschernobyl hat in uns und um uns Spuren hinterlassen.
Der Geschichte kann man nicht entkommen. So wenig wie die Figuren dem letzten Krieg in Fritz Katers neuem Theatertext «I’m searching for I:N:R:I».
Er nennt ihn im Untertitel «eine kriegsfuge», obwohl nur eine der drei Zeitebenen des Stücks das unmittelbare Geschehen der Jahre vor und während des Zweiten Weltkrieges abbildet. Die beiden anderen Teile des Genrehybrids aus Agententhriller, Melodram und Film noir spielen im deutschen Wirtschaftswunderland der 50er Jahre und im Westberlin der Vorwendezeit 1989. Kater umreißt diese Zeitspanne nicht in linearer Chronologie, sondern montiert sie mit Vorgriffen und Rückblenden ineinander: Der Krieg hat sich in die Körper, Köpfe und Herzen der handelnden Personen eingeschrieben. Leben bedeutet für sie, die Fortsetzung des Krieges mit ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 182
von Carmen Wolfram
Was ist das für ein System, in dem ein 50-jähriger Lichttechniker mit ‹Best Boy› angesprochen wird?», fragte einmal der Filmemacher David Mamet Hollywoods Filmindustrie. Was ist das für ein System, könnte man entsprechend die Städtischen Bühnen fragen, in dem eine 24-jährige Schauspielerin, die nach Abschluss ihres Studiums ihr erstes Engagement antritt, sich...
Als mich zwei Düsseldorfer Kollegen erstmals auf Stefanie Reinsperger ansprachen, fielen die Worte «sehr emotional» – begleitet von einem bedeutungschwangeren Augenaufschlag und einem wissenden Nicken. Das kann vieles bedeuten. Oder nichts. Ob es Ausdruck von Respekt, eine Warnung oder unscharfe Diagnose war, ist, rückwirkend betrachtet, eigentlich unwichtig. Es...
Immer wieder fällt das Wort Zombie. Und ein anderes: Gespenst. Von «eiskalten weißen Gespenstern» und «Seelen ohne Körper, die besessen sind, ihr (weißes) Erbgut weiterzugeben» ist da unter anderem die Rede. Und von Massen von schwarzen Zombies. Leichenberge, die wie Eisberge im Mittelmeer schwimmen. Nur dass es im Mittelmeer keine Eisberge gibt und stattdessen...
