Agenten im Harem

Für Veit Sprenger, Mitgründer von Showcase Beat Le Mot, ist das klassische Ensembletheater ein ewiger Patient, der inzwischen laut um Hilfe schreit

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Was ist das für ein System, in dem ein 50-jähriger Lichttechniker mit ‹Best Boy› angesprochen wird?», fragte einmal der Filmemacher David Mamet Hollywoods Filmindustrie. Was ist das für ein System, könnte man entsprechend die Städtischen Bühnen fragen, in dem eine 24-jährige Schauspielerin, die nach Abschluss ihres Studiums ihr erstes Engagement antritt, sich «Küken» nennen lassen muss? Das Ensembletheater hat in der freien Szene bekanntlich keinen guten Ruf.

Von uns, die wir bekennend dogmatisch in der Gruppe die wahrhaft zeitgenössische Organisationsstruktur fürs Theatermachen sehen, wird die Konstruktion des Ensembles bestenfalls als eine unhandliche Retorte angesehen, schlimmstenfalls als ein künstlerischer Harem, in dem früher Militärs ihre Mätressen rekrutierten, während dort heute die städtische Wirtschaft ihre kulturelle Ader zeigt und bei Prosecco und Petits Fours auf Tuchfühlung geht. In den Plüschfoyers überwiegt die schwärmerische Überhöhung dieser Struktur, die zumindest in Westdeutschland traditionell noch immer als Garantin kommunaler Identität angesehen wird. «Unser wunderbares Ensemble» zu loben ist beinahe schon Bürgerpflicht, und wenn diese Harmonie zwischen ...

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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Der Ensemble-Konsens, Seite 68
von Veit Sprenger

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