Wenn alle scheinen
Ensemble ist die gelebte Utopie einer solidarischen Gemeinschaft, in der jeder egoistische Ziele verfolgt unter dem Banner von künstlerischem Ausdruckswillen. Ensemble heißt zusammen. Wenn Theatermachen eine ständige Überforderung ist, ist es nur dieses Zusammen, das es ermöglicht, diese Herausforderung zu meistern.
Wenn man sich ein Ensemble näher anschaut, sollte es aus einer Ansammlung von verschiedensten und widersprüchlichsten Individuen bestehen. Wenn man Ensemble falsch schreibt und nicht so gut französisch kann, würde da stehen «un semble». Also vielleicht: Einer scheint.
Das ist falsch übersetzt, aber es stimmt: Ohne die ganzen Einzelnen, die scheinen wollen, gibt’s kein Ensemble, vielleicht eher eine Müsli-Gruppe. Aber ohne Ensemble kann auch der Einzelne nicht scheinen. Das ist wie ein Körper mit Kopf und Armen, Beinen und Bauch. Was man diesem Körper geben muss, ist Nahrung und Herausforderung, sonst wird er entweder schwach und lahm oder träge.
Ensemble ist die Voraussetzung für Zusammenspiel und für Entwicklung. Vielleicht nicht für Erfindung, die oft von Einzelnen geleistet wird, aber für alles, was danach kommt – für die Vervollkommnung.
Wahrscheinlich geht Theater ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Der Ensemble-Konsens, Seite 70
von Sebastian Rudolph
Das ideale Ensemble erwacht um 5.19 Uhr bei Sonnenaufgangunter der Brücke, es hat mit einem Chor von Bürgern die Nacht verbracht, um die Räumung eines Obdachlosen zu verhindern. Das ideale Ensemble geht direkt auf die Probe und fühlt sich trotz der kurzen Nacht ausgeruht, es hat sich regelrecht erholt in der letzten Zeit und die Massenproduktion den neuen Märkten...
A
Miguel del Arco
Helena – Plädoyer für eine Schlampe
(Theater Biel Solothurn)
Ayad Akhtar
Geächtet (Disgraced)
(Schauspielhaus Hamburg)
Mattias Andersson
Acts of Goodness
(Theater Radebeul Landesbühnen Sachsen)
B
Alexandra Badea
Zersplittert (Schauspielhaus Graz)
Brigitte Buc
Hundswetter (Komödie am Kurfürstendamm)
C
Pamela Carter
Was wir wissen (Theater...
Gestern war Verabschiedung. Sandro Tajouri und Sebastian Schindegger verlassen zum Ende der Spielzeit das Ensemble, beide aus persönlichen Gründen und schweren Herzens. Da standen dann nach der gestrigen Vorstellung vierzig, fünfzig Menschen auf dem Theaterhof und begrüßten die beiden johlend und mit Wunderkerzen in der Hand. Sascha von der Beleuchtung hatte einen...
