Freie Szene: Alternative Archive
Madonnas drittes Studioalbum, das sie im März 1989 veröffentlichte, war ein Skandal – und ihr endgültiger Durchbruch als international gefeierter Popstar.
Dabei verursachte nicht mal der titelgebende Song selbst, «Like a Prayer», eine Welle der Empörung in der katholischen Welt, sondern das dazugehörige Musikvideo: Mit einem schwarzen Negligé eher spärlich bekleidet, Stigmata an den Händen und ein großes Kreuz um den Hals, singt Madonna gegen religiös motivierten Rassismus an und lädt die kirchliche Ikonografie erotisch auf: «When you call my name it’s like a little prayer.»
In ihrer zweiten gemeinsamen Bühnenarbeit haben Schauspielerin Anne Tismer und Regisseurin Marie Schleef nun dieses sakrale Moment namentlicher Anrufung als Aufforderung verstanden: Unter dem programmatischen Titel «Name her» machen sie sich auf «Eine Suche nach den Frauen+», die von der männlich geprägten Sicht auf die Welt und ihrer Geschichtsschreibung verdrängt wurden. Doch obwohl sich das Religiöse auch in der Gestaltung der Bühne fortsetzt, wo ein orangefarbenes Triptychon aus Handyscreens im ansonsten leeren Raum als Altar und filmische Projektionsfläche dient, wirkt Tismers Präsenz nicht nur beim ...
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Theater heute Januar 2021
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Anja Quickert
Katholiken tragen von Geburt an die Erbsünde in sich, können am Samstag aber zur Beichte gehen, schon am Sonntag mittags unbefleckt den Leib Jesu Christi empfangen und am Montag getrost weiter sündigen. Kommt man dagegen als Protestant zur Welt, gibt es keine Erbsünde, man ist aber angehalten, ein Leben lang Schuld zu begleichen. Gearbeitet wird nicht um reich zu...
Die Zeit hat Hans Castorp und seinen Autor Thomas Mann im «Zauberberg» sehr beschäftigt, auch wenn beide mit ihren Überlegungen nicht weit kommen. Sie sei eine Bewegung, heißt es dort in wohlgesetzten Worten, aber was, wenn keine Bewegung wäre? Gäbe es dann auch keine Zeit? Und was heißt überhaupt ewig? Schließlich einigen sich Hauptfigur und Autor darauf, dass...
Weil im Theater das Handy aus ist.
Weil ich andere atmen höre.
Weil wir den Atem gemeinsam anhalten.
Weil wir zusammen still sind.
Weil wir zusammen Hormone ausschütten.
Weil man sich leichter in Menschen verliebt, mit denen man Hormone ausgeschüttet hat.
Weil ich im Theater über etwas weinen kann, das mit mir nichts zu tun hat.
Weil ich im Theater nicht einsam...
