Freie Szene: Alternative Archive

Im Ballhaus Ost setzen Anne Tismer und Marie Schleef historisch wenig beachteten Frauen(-figuren) ein szenisches Denkmal

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Madonnas drittes Studioalbum, das sie im März 1989 veröffentlichte, war ein Skandal – und ihr endgül­tiger Durchbruch als international gefeierter Popstar.

Dabei verursachte nicht mal der titelgebende Song selbst, «Like a Prayer», eine Welle der Empörung in der katholischen Welt, sondern das dazugehörige Musikvideo: Mit einem schwarzen Negligé eher spärlich bekleidet, Stigmata an den Händen und ein großes Kreuz um den Hals, singt Madonna gegen religiös motivierten Rassismus an und lädt die kirchliche Ikonografie erotisch auf: «When you call my name it’s like a little prayer.»

In ihrer zweiten gemeinsamen Bühnenarbeit haben Schauspielerin Anne Tismer und Regisseurin Marie Schleef nun dieses sakrale Moment namentlicher Anrufung als Aufforderung verstanden: Unter dem programmatischen Titel «Name her» machen sie sich auf «Eine Suche nach den Frauen+», die von der männlich geprägten Sicht auf die Welt und ihrer Geschichtsschreibung verdrängt wurden. Doch obwohl sich das Religiöse auch in der Gestaltung der Bühne fortsetzt, wo ein orangefarbenes Triptychon aus Handy­screens im ansonsten leeren Raum als Altar und filmische Projektionsfläche dient, wirkt Tismers Präsenz nicht nur beim ...

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Theater heute Januar 2021
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Anja Quickert

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