Die andere Theatermoderne
Kein Drama. Keine Interpretation. Keine Handlung. Keine Psychologie, kein Naturalismus, keine Subjekte. Stattdessen statisch im Raum stehende Schauspieler, eine weit vom Menschen entfernte Gruppe mit Masken, an Computerspiele, Comic Strips oder Figurentheater erinnernd, Avatare. Sie sprechen einzelne Sätze, oder genauer, sie sprechen sie nach, bewegen zu ihnen ihre Lippen. Denn die Stimmen werden vom Band eingespielt, in einem Kunstdialekt, dem Bayrischen ähnlich.
Der Raum ist ein extremer Guckkasten, öd und leer, wie aus einer Sozialwohnung der 60er Jahre herausgeschnitten oder von Gregor Schneider gebaut. Die Langsamkeit ihres Sprechens und Agierens erinnert ebenso an Fassbinders frühe Filme wie die Atmosphäre, gemischt aus katholischer Klosterschule, Kleinstadtmief, Brechtkälte und Expressionismus. Manche lässt sie auch an David Lynch oder Lars von Trier denken. Und sie ist unverkennbar das Gemeinschaftswerk einer Künstlergruppe, die hier, jeder mit spezifischen Fähigkeiten, gemeinsam Marieluise Fleißers «Fegefeuer in Ingolstadt» auf die Bühne bringt, versammelt von Susanne Kennedy.
Seitdem Kennedy im Jahr 2013 mit dieser Inszenierung an den Münchner Kammerspielen unter Johan ...
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Theater heute Januar 2021
Rubrik: Essay, Seite 46
von Nikolaus Müller-Schöll
Der so genannte Lockdown war sicher eine der prägendsten Erfahrungen des Jahres 2020. Auch Theaterleute hat er so stark beeindruckt, dass sich in Leipzig die Bühnebildnerinnen Irina Schicketanz und Julia Nussbaumer für zwei sehr unterschiedliche Stoffe beide am Konzept des geschlossenen Raumes bedienen, wobei Schicketanz’ Modell eine Nummer radikaler ausfällt.
Nuss...
«Ich bin so traurig, ich brauch Blaulicht», da sitzt er nun, der Frosch, und quakt am Lagerfeuer. «In den alten Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat …», will der Märchenonkel (Lukas Vögler) anheben – «Abgesagt!», schallt es ihm im Chor entgegen. Die arbeitslosen Märchenfiguren treffen sich im Wald und wirken ein bisschen ratlos. «Wat is ab?» Ist doch noch...
Düsseldorf, orange-blaue Herbstnachmittagsstimmung. Stephan Kimmig fällt keine andere Parkbank ein als die direkt hinter dem Schauspielhaus, nach der Probe ist es entweder spät abends oder er fährt zurück nach Berlin. Da hat er diesmal auch seine warme Jacke vergessen, deshalb unterhalten wir uns nach dem Foto dann doch im gewaltigen, frisch renovierten...
