Es ist alles super crazy geworden
Eins haben die beiden Frauen gemeinsam: Prinzessin Cezaria und Heilsarmistin Johanna Dark werden in ihrem Kampf gegen Gewalt und Rechtlosigkeit missbraucht und bezahlen dafür mit dem Leben. Cezaria, die gegen die rassistische Mordlust ihrer Mutter rebelliert, bemerkt zu spät, dass sie damit weißen Männern wieder zur Macht verhilft, die sie zum Dank enthaupten. Und Brechts Heilsarmistin Johanna sabotiert in Chicagos Schlachthöfen ungeschickt einen Generalstreik der Kommunisten und hilft so der Fleisch-Monopolistin Mauler, sich als Retterin des Systems zu inszenieren.
Sogar Johannas Tod an Lungenentzüdung kommt Mauler zugute, als sie die «Heilige» in einem rührseligen «Pietà»-Moment auf den eigenen Armen über die Bühne trägt.
Das Theaterdebüt der kurdisch-österreichi -schen Filmregisseurin Kurdwin Ayub, geboren 1990 im Irak, geht noch auf eine Einladung des Anfang letzten Jahres verstorbenen René Pollesch zurück. Allerdings ist sie ohnehin viel -fältig mit der Volksbühne der letzten Jahre verbandelt. Ihr Produzent Ulrich Seidl hat in den Nuller Jahren am Rosa-Luxemburg-Platz in -szeniert, sie selbst hat Musikvideos u.a. für Hyäne Fischer gedreht und bringt Ende März «Mond» in die ...
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Theater heute April 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 8
von Eva Behrendt
Eddie Carbone gehört zur italienischstämmigen Community der Hafenarbeiter in Brooklyn, könnte aber auch im Duisburger Rheinhafen arbeiten. Dass Arthur Miller «A view from the bridge» in den 1950er Jahren geschrieben hat und einen bodenständigen Hafenarbeiter ins Zentrum einer Tragödie mit migrantischem Hintergrund stellt, passt aber auch deshalb in die aktuelle...
Generationen gegeneinander auszuspielen ist zu einem Lieblingssport der Deutschen geworden – mit Vorliebe die «Gen Z» gegen die «Boomer», und damit vermeintliche Leistungskritische gegen jene, die deutsche Institutionen und Realitäten bis heute prägen. Autorin und Schauspielerin Amina Eisner macht also am Stadttheater Gießen die Probe aufs Exempel. Wie kommen die...
Am Schluss darf sie endlich reden, allein – ein Moment der Klarheit aus der Distanz oder gar Isolation, denn zumindest auf der Bühne hört ihr da keiner mehr zu. Davor macht Heinrich von Kleists aberwitziges Enthüllungsdrama vom Beginn des 19. Jahrhunderts in anderthalb Stunden voll turbulenter Komik und unterschwelliger Gewalt die Me-Too-Debatte von heute beinahe...
