Frau Staatsanwältin Prospero

Shakespeare «Der Sturm»

Theater heute - Logo

Ein Netz aus Wogen türmt und senkt sich: Schwere See im Theater Freiburg. Am schwarzen Himmel schwebt Ariel ein. Der Luftgeist zetert, zerrt vier Schiffbrüchige aus den Wellen, befördert das Quartett mit einem Tritt an Land. Auf Prosperos von unten illuminierter Zauberinsel stranden: König Alonso von Neapel (Ullo von Peinen), sein Bruder Sebastian (Albert Friedl), Mailands Herzog Antonio (Jens Bohnsack), der sich gegen Prospero auf den Thron geputscht hat.

Begleitet werden sie von ihrem schlechten Gewissen, dem Ratgeber Gonzalo (Ueli Schweizer), der Prospero und Töchterchen Miranda einst heimlich vor dem Hungertod bewahrt hat.

Nun hat dieser Herrscherzirkel abgewirtschaftet. Aufreizend apathisch lassen sie die Macht sausen, die sie sich unter brutaler Ausbootung Prosperos, dem wahren Herzog von Mailand, erschlichen haben. Sie tragen lächerliche Halskrausen auf bloßer Brust und kauern meist tatenlos auf dem mit Netzranken bespannten Inselgeviert, das spitz, doch unverkennbar elisabethanisch ins Große Haus ragt – ein großartiges Bühnenbild der israelischen Künstlerin Penny Hes Yassour.

Nicht ganz unwichtig in dem Zusammenhang, dass Prospero und Ariel in Jarg Patakis Freiburger ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2009
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Stephan Reuter

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wir sind die Größten!

TH Ist die Jury des Theatertreffens mit sich selbst zufrieden?

Wolfgang Höbel Es ist entschieden die beste aller möglichen Auswahlen.

TH Klingt nicht unbescheiden.

Höbel Die Jury ist eben total begeistert von ihrer Auswahl, und wir haben beschlossen, dass kein Blatt Papier zwischen uns passt. Totale Einigkeit nach innen und nach außen.

TH Der Weg führt vom Selbstlob...

Schnee im Sommer

Rien ne va plus. Auf einem Flughafen, dem klassischen Nicht-Ort der Postmoderne, hat Tena Stivicic den Reisenotstand ausgerufen. Vermutlich ist die junge kroatische Autorin mit Wohnsitz in London und europäischer Karriere selbst Dauergast in Heathrow und all den anderen Passagierumschlagplätzen des Kontinents. Für ihr Stück «Funkenflug», das nach der Präsentation...

Genug ist nicht genug

Gleich in der ersten Einstellung von Lola Randls Debütfilm «Die Besucherin» überfährt Agnes einen Mann, der ihr offenbar von seinem Balkon direkt vors Auto gesprungen ist. Die Sachlichkeit, mit dem sie dem durchaus mitfühlenden Polizisten Rede und Antwort steht, ist beängstigend.

Agnes ist fremd, eine Besucherin in ihrem eigenen Leben, eingesperrt in Routine wie...