Fragt eine Kerze die andere …

Kolumne: Fehler bekräftigen erst die einzigartige Flüchtigkeit von Theater

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Es ist Ewigkeiten her: Will Quadflieg spielt den Lear in einem Gastspiel in Ludwigshafen, doch der berühmte alte Schauspieler kann sich nicht mehr konzentrieren. Das Publikum sitzt fasziniert und etwas peinlich berührt: Quadfliegs Fahrigkeit, der vergessene Text, der vergebliche Versuch, Haltung zu bewahren, verschwimmen mit der Orientierungslosigkeit Lears. Der Schauspieler ist nicht mehr eins mit der Figur, die Person scheint es um so mehr.

Natürlich ist es auch Voyeurismus.

Vor allem aber sind vergessene Auftritte, vertauschte Theatermesser, herunterfallende Scheinwerfer, umfallende Bühnenbilder, kollabierende Schauspieler:innen eine Erinnerung daran, dass in diesem Medium Entstehung und Rezeption immer gleichzeitig stattfinden. Mögliche Fehler gehören nicht nur zum Geschäft; sie setzen den Grundton. Dass sie meist weniger einschneidende Konsequenzen haben als im restlichen Leben und dass sie in der Regel anderen geschehen, macht ihren Reiz aus. Ein kleines momento mori.

Auch wenn Theater seit Jahrhunderten versucht, Aufführungen herzustellen, die Abend für Abend möglichst exakt wiederholbar sind, liegt seine wesentliche Qualität darin, genau das nie zu schaffen. Jeder Unfall, ...

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Theater heute März 2026
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Florian Malzacher

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