Wie wird man nicht giftig?

Anton Tschechow «Die Möwe», Ewald Palmetshofer «Sankt Falstaff» am Deutsches Schauspielhaus / Thalia Theater Hamburg

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Kostja (Paul Behren) will das Theater revolu -tionieren. Und Yana Ross zeigt diese Künstlerrevolte in ihrer Inszenierung von Anton Tschechows «Die Möwe» am Hamburger Schauspielhaus tatsächlich als Versuch, das Theater neu zu denken, angelehnt an die Ästhetik Internationaler Produktionshäuser. Kostja also inszeniert eine Durational Performance, bei der das Publikum barfuß im Gras liegt und das Geschehen via Kopfhörer verfolgt.

Außerdem gibt er die Stückeinführung beflissen im akzentschweren Englisch, was ein bisschen lächerlich ist, weil das Publikum überhaupt nicht international ist, sondern aus Freunden und Verwandten besteht, darunter Kostjas Mutter, die einst gefeierte Schauspieldiva Irina (Bettina Stucky), die die sensible Künstlerseele des Sohnes mit einer flapsigen Bemerkung erwartbar verletzt.

Dieser künstlerische Revolutionsversuch ist der einzige Moment, in dem Ross’ «Möwe» die Zone wohltemperierter Sympathie verlässt: Da traut sich die Regisseurin, sich lustig zu machen über ein Theater, das international State of the Art sein möchte und in Wahrheit doch nur provinzielles Richtigmachertum ist. Was nicht ganz fair ist, zumal im Programmheft das Vorbild der Durational ...

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Theater heute März 2026
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Falk Schreiber

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