Fortsetzung folgt
Drei Frauen skandieren, leicht zeitversetzt, in drei verschiedenen Sprachen. Zwei frontal von der Bühne, eine oben im Rang. Sie fallen sich ins rhythmisch artikulierte Wort und zitieren, kaum verständlich, den polnischen Widerstandskämpfer und Holocaust-Augenzeugen Jan Karski, der 1943 dem US-Präsidenten Frank D. Roosevelt und anderen amerikanischen Würden -trägern von der Vernichtung der Juden in Polen berichtete, vor ihrer vollständigen Auslöschung warnte und doch nichts erreichte. Bis Karski fast aufhörte «an das zu glauben, was ich gesehen habe.
»
In der letzten Premiere von Shermin Langhoffs letzter Gorki-Spielzeit hat ein vielfältiger Protest-Chor das Wort – und die polnische Regisseurin Marta Gornicka, die ihn aus der Mitte des Zuschauerraums heraus dirigiert. Indem sie gleich zu Beginn an Karski erinnert, markiert sie ihre Position als Polin, die bis heute vom westlich angrenzenden deutschen Nachbarn oft überhört wird. Eine Position, die dem Leitmotiv der Chorperformance «Kassandra or Songs of the Canaries» verwandt ist, denn auch die Warnungen der trojanischen Königstochter verhallten konsequenzlos und erwiesen sich deshalb allesamt als wahr.
24 Chorist:innen versammelt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2026
Rubrik: Bilanz Gorki, Seite 40
von Eva Behrendt
Die schwedische Comicautorin Liv Strömquist wurde international mit dem feministischen Band «Der Ursprung der Welt» (2014, deutsch 2017) bekannt, einer satirischen Kulturgeschichte der Vulva. Ihre jüngste Graphic Novel, «Das Orakel spricht» (2024), ist eine kleine Enzyklopädie der Ratgeber und Besserwisser. Das antike Orakel Pythia und die heilige Katharina treten...
Gebannt fixiert der schmächtige, in sich gekehrt wirkende Junge das kesse, wendige Mädchen, das ihm provozierende Fragen stellt. Gerade zehn Jahre alt sind Jules und Alva, als sie im Internat aufeinandertreffen – am Schauspiel Bochum ein sich ins Dunkel verlierender, unwirtlicher Raum. Einige Augenblicke später sind sie bereits 16 Jahre und verabreden sich,...
Zumindest einer dürfte sich über die Aufregung gefreut haben. Detlef Müller, Mitglied des Chemnitzer Stadtrats für die SPD und ehemaliger Bundestagsabgeordneter, der sein Direktmandat an die AfD verloren hat, hatte einen Coup gelandet und seine Stadt ein Jahr nach der Kulturhauptstadt wieder in den kulturpolitischen Diskurs gebracht, allerdings eher destruktiv....
