Fortsetzung folgt
Drei Frauen skandieren, leicht zeitversetzt, in drei verschiedenen Sprachen. Zwei frontal von der Bühne, eine oben im Rang. Sie fallen sich ins rhythmisch artikulierte Wort und zitieren, kaum verständlich, den polnischen Widerstandskämpfer und Holocaust-Augenzeugen Jan Karski, der 1943 dem US-Präsidenten Frank D. Roosevelt und anderen amerikanischen Würden -trägern von der Vernichtung der Juden in Polen berichtete, vor ihrer vollständigen Auslöschung warnte und doch nichts erreichte. Bis Karski fast aufhörte «an das zu glauben, was ich gesehen habe.
»
In der letzten Premiere von Shermin Langhoffs letzter Gorki-Spielzeit hat ein vielfältiger Protest-Chor das Wort – und die polnische Regisseurin Marta Gornicka, die ihn aus der Mitte des Zuschauerraums heraus dirigiert. Indem sie gleich zu Beginn an Karski erinnert, markiert sie ihre Position als Polin, die bis heute vom westlich angrenzenden deutschen Nachbarn oft überhört wird. Eine Position, die dem Leitmotiv der Chorperformance «Kassandra or Songs of the Canaries» verwandt ist, denn auch die Warnungen der trojanischen Königstochter verhallten konsequenzlos und erwiesen sich deshalb allesamt als wahr.
24 Chorist:innen versammelt ...
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Theater heute Juni 2026
Rubrik: Bilanz Gorki, Seite 40
von Eva Behrendt
Das große Einstweh: In Tschechows «Der Kirschgarten» schwelgen die Figuren unentwegt in Erinnerungen. Sie erzählen von früher, von der Kindheit unter blauem Himmel und im weißen Blütenmeer. Als die Großgrundbesitzerin Ranjewskaja (Karin Klein) mit ihrer Tochter Anja (Aleksandra Kienitz) aus Paris in ihr einstiges und längst von Schulden belastetes Anwesen mit dem...
Selbst am Anhaltischen Theater war der Student des Bauhaus in Dessau nur Wenigen bekannt. Was wohl auch daran liegt, dass seine Designs heute eher unter dem Schlagwort «Mid-Century» verkauft werden. Denn neben dem Funkhaus Nalepastraße in Berlin ist der Designer und Architekt Franz Ehrlich vor allem mit seiner Möbelserie 602 für die Werkstätten Hellerau bekannt...
Nicht einen, gleich eine ganze Ladung Totenköpfe karrt der Schauspieler Odin Lund Biron auf die Bühne für «Hamlet/Fantômes» von Kirill Serebrennikov im Pariser Châtelet-Theater. Dem Schauspieler Bertrand de Roffignac läuft derweil das ganze Gift und das Blut aus dem Mund, das in Shakespeares Tragödie vergossen wird. Beide sind Hamlet – «how many Hamlets have there...
