Die Goldenen Jahre
Im Dezember las ich einen Rückblick auf 13 Jahre Gorki in der «Süddeutschen Zeitung». Der Rezensent würdigte das Projekt «Geschichten von Menschen mit Migrationserfahrungen», lobte die Diversität des Ensembles und hob die in seinen Augen wichtigen Regiehandschriften und Inszenierungen und Themensetzungen hervor. Dabei fiel in einem kleinen Nebensatz auch die Bemerkung, das Gorki sei in all den Jahren auch immer wieder ein Ort für «queere Selbstfeier» gewesen.
Was sollte damit gemeint sein? Welche Eigenschaften braucht eine Inszenierung, um als «queere Selbstfeier» kategorisiert zu werden? Und was wäre im Gegenzug eine «heterosexuelle Selbstfeier»? Welche Eigenschaften bräuchte eine Inszenierung, damit derselbe Rezensent sagen würde: Das Theater XY war immer auch «ein Ort für heterosexuelle Selbstfeier»? Schwierig. Ich denke, gemeint waren einige Arbeiten, die ich in der Zeit von Shermin Langhoffs Intendanz zum Spielplan beigetragen habe: «Small Town Boy» und «In My Room».
Als Jens Hillje mich 2012 fragte, ob ich Lust hätte, ein neues Stück mit und für das Ensemble des Maxim Gorki Theaters zu entwickeln, wollte ich mich mit dem «Frühling der Reaktionäre» auseinandersetzen. 2012 ...
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Theater heute Juni 2026
Rubrik: Bilanz Gorki, Seite 48
von Falk Richter
Theater heute Eigentlich wollten Sie als – pardon – ältere, weiße, mitteleuropäische Männer gar nicht mit uns über Theater der Welt in Chemnitz reden, sondern haben auf die neun internationalen Kurator:innen verwiesen, die das Programm verantworten. Das ließ sich aber organisatorisch nicht herstellen, also sind Sie freundlicherweise doch eingesprungen. Das Festival...
Lüneburg ist ein wichtiger Ort für die deutsche Vergangenheitsaufarbeitung. Hier fand 1945 mit dem Bergen-Belsen-Prozess die erste große juristische Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen statt und 2015 mit dem Prozess gegen Oskar Gröning, den damals 93-jährigen «Buchhalter von Auschwitz», wahrscheinlich eine der letzten. Außerdem wurde hier schon im Mai 1945 die...
24.6./MITTWOCH
23:00, ARTE: Ingeborg Bachmann, 100 Jahre Ingeborg Bachmann, F/A 2026
Die Dokumentation von Regisseurin Barbara Frank zeichnet ein vielschichtiges Porträt von Ingeborg Bachmann. Im Zentrum steht eine Autorin zwischen literarischem Ruhm, persönlicher Zerrissenheit und künstlerischer Radika -lität, deren Schreiben immer wieder als Angriff auf...
