Fight me!
Es ist nicht wichtig, der Stärkere zu sein, sondern der Lebendige», heißt es in Brechts wildem Frühwerk «Im Dickicht der Städte» (uraufgeführt im Mai 1923 am Münchner Residenztheater), nachdem bereits zehn Runden lang ein Kampf ohne Grund und Gnade zwischen zwei Männern ausgetragen wurde, die nichts verbindet als eine seltsame Sucht, «Fühlung zu bekommen» mit sich und der Welt, und sei es durch wechselseitige Zerstörung. Ein Satz, den man nur unterstreichen kann, auch wenn er in Christopher Rüpings aktueller Inszenierung an den Münchner Kammerspielen gestrichen ist.
Wohl auch, weil der Kampf hier von vornherein mehr eine Kuschel-Offensive ist, was angesichts der fortschreitenden Vereinzelung spätmoderner Extrem-Individualisten vielleicht mindestens so existenziell ist, wie seinerzeit ein Boxkampf zwischen Schwergewichtlern.
Gekämpft wird auch in Marieluise Fleißers spätem Volksstück «Der Starke Stamm» – ums wirtschaftliche Überleben und um die künstlerische Lebendigkeit. Da hatte die Dichterin die aufwühlende Begegnung mit Brecht in den 1920er Jahren schon hinter sich, und ein paar tiefe Seelenschrammen davongetragen. Aber ganz aufgegeben hatte sie sich und das Schreiben nicht. ...
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Theater heute März 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Silvia Stammen
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