Arlecchino forever?

Vor einem Jahrzehnt war Herbert Fritsch die Rettung für ihn. Jetzt steht er auf eigenen Füßen, an der Schaubühne, als Schauspieler und Regisseur: Bastian Reiber, ein Porträt

Es geht schon vom ersten Moment an in die Hose. Das Intro zu «Prometheus», das im Juni im Studio der Schaubühne Premiere hatte, sollte sie uns kurz noch mal referieren, Sie wissen schon, all diese Götter, die da durcheinandergeraten im antiken Mythos, und die Streberin im kleinen Schwarzen (Carol Schuler) hat es auch ganz gut drauf. Aber der Typ daneben, eigentlich als Chorbruder dazugestellt, blickt rein gar nichts, ist also ungefähr auf dem Stand der Zuschauer.

Bastian Reiber stottert, hampelt von einem Fuß auf den anderen, guckt zerquält zu Boden und beendet die Peinlichkeit mit einem souveränen Entschluss: Weiß doch eh jeder, kann man doch lassen. Er darf das, er ist ja nicht nur ein Spieler, er ist der Regisseur! 

Für die nächste Stunde verschwindet er im Off. Während die Uhren rückwärts ticken, absolvieren Carol Schuler, Florian Anderer und Axel Wandtke, versehrte Urwesen in ausgebeulten Fatsuits, vorm einsamen Existenzialisten-Häuschen einen «Prometheus»-Parcours ohne Prometheus, Exerzitien im Zeittotschlagen. Sie laufen, humpeln, hetzen rastlos im Kreis, funktionieren Fächer und Tennisbälle zu 1000 Dingen um, refe­rieren endlos über Getreidesorten, malträtieren Schlagzeug ...

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Theater heute März 2020
Rubrik: Akteure, Seite 34
von Barbara Burckhardt