Festival: Zündende Kurzschlüsse
Knetfiguren und Computeranimationen, Geisterblaskapellen auf Hauswänden, Zeichentrick und Papierfiguren und überhaupt Puppen, Puppen, Puppen …: Das diesjährige Brechtfestival #digitalbrecht hat aus der Not viele Künste und aus dem Mangel an Begegnungsmöglichkeiten eine Fülle von filmischen Formaten gemacht.
Als sich im letzten November abzeichnete, dass mit der Durchführung von Präsenzveranstaltungen vor Ort bis März eher nicht zu rechnen sein würde, traf das Leitungsduo Jürgen Kuttner und Tom Kühnel eine klare Entscheidung: Keine faulen Kompromisse, keine abgefilmten Bühneninszenierungen, sondern genuines Film-Theater, also als Film konzipierte und produzierte szenische Kurzproduktionen, sollten entstehen, so wie sie in der überschaubaren Vorbereitungszeit von vier bis sechs Wochen und unter der gebotenen Verausgabung aller Beteiligten und Ressourcen so eben noch zu bewerkstelligen waren.
Sonst herrscht vor allem Freiheit der Kunst und der Künstler*innen. K&K sind eben keine frickelnden Kuratoren, sondern Anstifter, die sich gerne selbst überraschen lassen. Herausgekommen ist auf diese Weise ein überbordendes Videoschnipsel-Fest, verortet irgendwo im wild wide web zwischen ...
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Theater heute April 2021
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Silvia Stammen
«Jedes Zeitalter hat den Vampir, den es braucht», fasste die Kulturwissenschaftlerin Nina Auerbach einmal ihre umfangreiche, Jahrhunderte übergreifende Analyse der nachtaktiven Mythengestalt zusammen. Um die legendären infektiösen Untoten, die ihrem Sarg entsteigen, um das Blut der Lebenden zu saugen und sie in Vampire zu verwandeln, dreht sich – zumindest im Kern...
Ob wir uns in einem neuen Biedermeier befinden, sei einmal dahingestellt. Immerhin sprechen Soziologen und Psychologen davon, dass der Rückzug in die eigenen vier Wände, zu dem gerade viele Menschen aus Angst vor Ansteckung mit dem Virus und überhaupt aus Furcht vor dem Nächsten als potenziellem Gefahrenträger neigen, an die Mitte des 19. Jahrhunderts erinnert: Der...
Das Buch «Spiel-Zeiten und Spiel-Räume des Theaters in Europas Osten» von Wolfgang Kröplin, der in Dresden und Leipzig als Dramaturg und Dozent für Dramaturgie und Kulturwissenschaften tätig war, erhebt den Anspruch einer Suche nach Spuren des im Westen nur wenig bekannten Theaters im Osten. Im Ergebnis ist es aber eine Spurensicherung des modernen revolutionären...
