«Goodwill reicht nicht mehr»

Der Schauspieler Niels Bormann hat das Manifest #ActOut mitunterschrieben und streitet für eine Systemveränderung im Theater. Ein Parkbankgespräch über bedingungsloses Grundeinkommen, die Sichtbarwerdung aller im Theater und Yael Ronens schwulen «Niels», der kein Problemfall ist

Theater heute - Logo

Barbara Burckhardt Niels Bormann, die Frage, die jetzt jeder stellt: Wie geht es Ihnen unter Corona-Verschluss, insbesondere als Schauspieler? 
Niels Bormann (zögert lange) Ich muss sagen, mir geht es gar nicht so schlecht. Ich konnte in dieser Zeit drehen und an der UdK mit den Studierenden immerhin Vorsprechmonologe erarbeiten. Das mache ich schon seit sieben, acht Jahren. Jetzt fand das im Zoom statt. Ein großer Vorteil: Nur meine obere Hälfte musste einigermaßen seriös sein.

Für mich zum Gucken war das sehr interessant, weil ich die Schauspieler*innen im Close-up gesehen habe. Für die Studierenden war es allerdings hart. Es ist verständlicherweise schwer möglich, im Zimmer zuhause große Emotionen zu spielen. Sie brauchen den Kontakt.

BB Von Ihren diversen Tätigkeiten haben Sie diese also ganz gut machen können. Aber Sie sind ja vor allem Schauspieler, sowohl auf dem Theater als auch im Film. Was war da möglich? 
Bormann Im Gorki Theater wurde immer mehr abgesagt. Termine wurden neu angesetzt, weil man hoffte, da geht’s dann wieder, und wurden dann wieder abgesagt. Da liegen bei mir vier Stücke auf Eis, und ich weiß auch nicht, ob die noch mal nachgeholt werden. Ich glaube, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2021
Rubrik: Parkbank-Gespräche, Seite 24
von Barbara Burckhardt

Weitere Beiträge
Theaterbuch:Die erste Pause

Ertappt. Nach über 200 Seiten, die sich angenehm lesen, weil die Autor*innen so oft recht haben, so menschenfreundlich sind und so reflektiert, platziert der Dramatiker Jörg Albrecht einen kleinen fiesen Treffer direkt in die Magengrube. Genauer: dorthin, wo das schlechte Gewissen wohnt. In seinem Beitrag, der den Band «Lernen aus dem Lockdown? Nachdenken über...

Deckung von oben?

Anfang Februar diesen Jahres reichte der Intendant des Nationaltheaters Athen, Dimitris Lignadis, beim Kultusministerium seinen Rücktritt ein mit der Begründung, er selbst habe nichts Falsches getan, er wolle mit diesem Schritt nur weiteren Schaden vom Nationaltheater abwenden. Zwei Wochen später wurde Dimitris Lignadis verhaftet und in Handschellen abgeführt....

Bereit für den Tag X

In Bochum gibt es das Bermuda-Dreieck. Das ist eine ballermannähnliche Kneipenmeile zwischen Bahnhof und Schauspielhaus – jetzt in Corona-Zeiten eher desolat und leer. Ein paar hundert Meter weiter hat man eher das gegenteilige Problem, nämlich zu viel: Inszenierungen, die wie ein hartnäckiger Ballast in den Köpfen aller Beteiligten herumschwirren, die nicht...