Bücher: Der westliche Blick

Wolfgang Kröplin vermisst das Theater in Ost- und Mitteleuropa

Das Buch «Spiel-Zeiten und Spiel-Räume des Theaters in Europas Osten» von Wolfgang Kröplin, der in Dresden und Leipzig als Dramaturg und Dozent für Dramaturgie und Kulturwissenschaften tätig war, erhebt den Anspruch einer Suche nach Spuren des im Westen nur wenig bekannten Theaters im Osten. Im Ergebnis ist es aber eine Spurensicherung des modernen revolutionären und nachexpressionistischen Theaters von Craig, Stanislawski, Reinhardt, Meyerhold, Tairow, Jessner, Piscator und Brecht in Ländern des europäischen Ostens.

 

Der «Osten» ist für Kröplin ein Geschichtsraum, der mit dem alten Sarmatien identisch ist. Gemeint sind die baltischen Länder, das lange polnische, später sowjetische Litauen bis zu den Ländern Jugoslawien und Georgien. In jenem Raum nun sucht der leidenschaftliche Theaterwissenschaftler «nach dem Antriebsgefüge, den Spielregeln und den Rahmenbedingungen für Theater, Theatrales und Theatralität». 

Der zu erkundende Raum wird als ein exotischer Landstrich mit meistens düsterem Horizont markiert, in dem Fortschritt nur durch Westorientierung oder zumindest durch einen vom Westen übernommenen «utopielosen Pragmatismus» erreicht werden kann. Einziges Gegenbeispiel war ...

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Theater heute April 2021
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Klaus Völker

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