Festhalten unmöglich
Ich träumte, dass mir ein Mann mit einer Brille erschien und zu mir sagte: ‹Nicht im Möglichen schweben, sondern das Wirkliche tapfer ergreifen! In der Tat liegt die Freiheit.›» Aus dieser geträumten Forderung entfaltet Justine del Corte in ihrem «Alptraum vom Glück» ein Panoptikum von Geschichten und Geschichtensplittern, die sich ineinander verweben und sich ab und zu von Ferne berühren. In vielen Sprachen sagt ihr Traum «nein» zur Wirklichkeit. Ihre Frauen-Gestalten, allesamt im schwebend Möglichen, ringen um die Freiheit der Tat und um die Identität mit sich selbst.
Ausgehend von Alltagsbeobachtungen fantasiert del Corte ihre Skurril-Verzweifelten oder Märchenhaft-Verrückten auf der Suche nach dem Eigentlichen weiter in ein skurriles Gegenleben. Wir begegnen einer Frau, die, von der Wut auf die Banalität ihres Alltags gebeutelt, gegen die Erstarrung im Realen anbrüllt und eine hilflose Privatanarchie erträumt. Oder einer Supermarktbelegschaft, die in der Frühstückspause um letzte Gewissheiten ringt und dabei über die erlösende Kraft von Glauben und Sex streitet.
Von den kurzen, zerbrechlichen Momenten des Bei-sich-Seins berichten sie, von Aus- und Aufbruchsfantasien und von ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 150
von Holger Weimar
Luk Perceval Katrin Brack und ich, wir arbeiten schon seit 1990 zusammen, 17 Jahre sind das jetzt. Wir waren damals beide an einem Punkt, wo wir das Theater mehr oder weniger satt hatten. Ich wollte weg von jeder Form von Behauptung und suchte nach einer größeren Wahrhaftigkeit; bei Katrin war es ähnlich, sie wollte keine Bühnenbilder mehr, die nur dazu da waren,...
Traute Held hat Brustkrebs. Täglich muss sie zur Bestrahlung. Ihre jüngste Tochter hat ihr die Haare abrasiert und bewahrt sie in ihrem Kissen auf, damit sie von der Mutter träumt. Traute verlässt ihre Töchter und ihren Mann Erwin, erstmal, obwohl sie ihn liebt.
Erwin hat ein schlechtes Gewissen, weil er nicht da war, als Traute von ihrer Krankheit erfuhr. Auch...
Irgendwann in der vergangenen Spielzeit widmete sich René Pollesch dem letzten Tabu des deutschen Theaters. Es ging wieder mal um käufliche Gefühle und darum, dass Theater auch nur eine Ware ist. Denkbar brutal und mit größtmöglicher Selbstverständlichkeit gab der Regisseur dem Publikum im Berliner Prater zu verstehen, dass es bei der Inszenierung «Tod eines...
