Für eine Handvoll Euro
Irgendwann in der vergangenen Spielzeit widmete sich René Pollesch dem letzten Tabu des deutschen Theaters. Es ging wieder mal um käufliche Gefühle und darum, dass Theater auch nur eine Ware ist. Denkbar brutal und mit größtmöglicher Selbstverständlichkeit gab der Regisseur dem Publikum im Berliner Prater zu verstehen, dass es bei der Inszenierung «Tod eines Praktikanten» einem gekauften, also keinem unschuldigen Spiel beiwohnte.
Auf Bühnenbildelementen und Kostümteilen war zu lesen, was sie das Theater gekostet hatten, genau wie auf den Schauspielerinnen, deren weiße Brautkleider Schilder mit der Höhe ihrer Abendgage schmückten: «207,50 Euro netto». Zunächst ist das nicht viel mehr als eine Variante des alten illusionszerstörenden Tricks, mit der Theateraufführung auch die Mittel ihrer Herstellung zu zeigen – schließlich sind Schauspieler ökonomisch betrachtet einfach Arbeitnehmer in der Dienstleistungsbranche. Und solche Dienstleister haben ihren vom Marktwert abhängigen Preis. Pollesch hat mit seiner kleinen Indiskretion also kein Geheimnis ausgeplaudert, sondern nur eine Banalität illustriert. Allerdings sind die Preisschilder auch ein gezielter Regelverstoß: Es wurden nicht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eines Tages wird jeder denken, was er gerade denken will», hat Andy Warhol einst gedroht, «und dann werden wahrscheinlich alle dasselbe denken.» Betrachtet man die politischen Lockerungsübungen, die Samuel Finzi und Wolfram Koch zum Auftakt von Dimiter Gotscheffs «Perser»-Inszenierung absolvieren, beschleicht einen der Verdacht, der Zustand sei längst eingetreten:...
Die Russen sind endgültig im Westen angekommen. Moskau ist kapitalistischer, dynamischer und luxuriöser als jede deutsche Stadt. Auch die Provinz ändert sich, langsamer zwar, aber unaufhaltsam. Der vom Westen eingeklagte Mangel an Demokratie ist nicht das, was die meisten Russen bewegt. Längst ist auch der Normalbürger an das globale Geflecht der Waren- und...
Das ist das? Ist dick, rollt, wackelt und wippt, tanzt plötzlich zierlich und graziös? Das ist der Bruder von den drei Schwestern.
Was ist das? Hängt kopfüber in fünf Seilen und schaukelt und ist schwarz? Die Töchter von Bernarda Alba.
Wie kann das sein? Ein grünes Kleid, das blutet, das Blut auswäscht, bis es hautfarben am Körper klebt, aussieht wie nackt?
Wer...
