Für eine Handvoll Euro
Irgendwann in der vergangenen Spielzeit widmete sich René Pollesch dem letzten Tabu des deutschen Theaters. Es ging wieder mal um käufliche Gefühle und darum, dass Theater auch nur eine Ware ist. Denkbar brutal und mit größtmöglicher Selbstverständlichkeit gab der Regisseur dem Publikum im Berliner Prater zu verstehen, dass es bei der Inszenierung «Tod eines Praktikanten» einem gekauften, also keinem unschuldigen Spiel beiwohnte.
Auf Bühnenbildelementen und Kostümteilen war zu lesen, was sie das Theater gekostet hatten, genau wie auf den Schauspielerinnen, deren weiße Brautkleider Schilder mit der Höhe ihrer Abendgage schmückten: «207,50 Euro netto». Zunächst ist das nicht viel mehr als eine Variante des alten illusionszerstörenden Tricks, mit der Theateraufführung auch die Mittel ihrer Herstellung zu zeigen – schließlich sind Schauspieler ökonomisch betrachtet einfach Arbeitnehmer in der Dienstleistungsbranche. Und solche Dienstleister haben ihren vom Marktwert abhängigen Preis. Pollesch hat mit seiner kleinen Indiskretion also kein Geheimnis ausgeplaudert, sondern nur eine Banalität illustriert. Allerdings sind die Preisschilder auch ein gezielter Regelverstoß: Es wurden nicht ...
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Absurd natürlich, von einem Stück zu erzählen von dem es bislang nur den Plot gibt und den Stückbeginn: «frau bosch,/ die ware,/wäre da/Sollen wir,/damit/ums Haus,/zum Keller,/in den Wäscheraum,/stellt doch hier ab, was ihr habt, in den Schatten, unters Dach, auf den Fußabstreifer, wo es trockenbleibt./Fang,/am,/An,/fang,/fang, /fang,an.» Hier ist sie wieder, die...
Was für eine Tragödin! Am Leib von Nina Hoss als Medea wird das Schwarz wieder zu dem, was es einmal war: die Farbe des Todes, die Farbe der archaischen Landbevölkerung, die Farbe des großen Nein zur bunten Mittelstandswelt des in seiner Berliner Variante sehr gegenwärtig ausschauenden Korinth. Ausgerechnet die Barbarin aus dem halbwilden Kolchis ist unter den...
Der ganz «normale» Wahnsinn einer deutschen (Klein?)Stadt. Es geht rau zu in dieser kleinen Welt am Rande, im Grau der Hochhäuser. Es geht um Materielles, um Sehnsüchte und um ein Leben, das im Grunde keiner lebt. «Wie ist es hier?» – «Normal.» – «Ziemlich dunkel.» Die Gewissheit der Vergeblichkeit. Das Warten auf etwas Entscheidendes. Nichts geht weiter. Es muss...
