Für eine Handvoll Euro

... will keiner arbeiten. Aber Geld ist nicht alles. Ein Report über das Gagengefüge im deutschen Stadttheater, von Hamburg bis München, Berlin bis Ulm

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Irgendwann in der vergangenen Spielzeit widmete sich René Pollesch dem letzten Tabu des deutschen Theaters. Es ging wieder mal um käufliche Gefühle und darum, dass Theater auch nur eine Ware ist. Denkbar brutal und mit größtmöglicher Selbstverständlichkeit gab der Regisseur dem Publikum im Berliner Prater zu verstehen, dass es bei der Inszenierung «Tod eines Praktikanten» einem gekauften, also keinem unschuldigen Spiel beiwohnte.

Auf Bühnenbildelementen und Kostümteilen war zu lesen, was sie das Theater gekostet hatten, genau wie auf den Schauspielerinnen, deren weiße Brautkleider Schilder mit der Höhe ihrer Abendgage schmückten: «207,50 Euro netto». Zunächst ist das nicht viel mehr als eine Variante des alten illusionszerstörenden Tricks, mit der Theateraufführung auch die Mittel ihrer Herstellung zu zeigen – schließlich sind Schauspieler ökonomisch betrachtet einfach Arbeitnehmer in der Dienstleistungsbranche. Und solche Dienstleister haben ihren vom Marktwert abhängigen Preis. Pollesch hat mit seiner kleinen Indiskretion also kein Geheimnis ausgeplaudert, sondern nur eine Banalität illustriert. Allerdings sind die Preisschilder auch ein gezielter Regelverstoß: Es wurden nicht ...

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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Geist, Geld und Gagen, Seite 22
von Peter Laudenbach

Vergriffen
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