Auslaufende Detonationswellen

Sabine Harbekes «trotzdem»

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Traute Held hat Brustkrebs. Täglich muss sie zur Bestrahlung. Ihre jüngste Tochter hat ihr die Haare abrasiert und bewahrt sie in ihrem Kissen auf, damit sie von der Mutter träumt. Traute verlässt ihre Töchter und ihren Mann Erwin, erstmal, obwohl sie ihn liebt. 
 

Erwin hat ein schlechtes Gewissen, weil er nicht da war, als Traute von ihrer Krankheit erfuhr. Auch eine Affäre hatte er. Erwin versucht alles, um Traute zu halten: Versprechungen, Vorwürfe und vernünftige Gründe.

Traute erträgt es nicht länger, leise im Badezimmer zu kotzen, während der Rest der Familie am Abendbrottisch sitzt. Andere brauchen in dieser Situation ihre Familie, Traute braucht Abstand. Die Zeit wird zu knapp für Alltag. 
 

Mit den Töchtern verabredet sie sich an den Nachmittagen, und Erwin lädt sie von Zeit zu Zeit in ihr Hotelzimmer ein. Rendezvous mit dem eigenen Mann in der eigenen Stadt, das wollte sie schon immer. Und Traute ist auch gerne «Valerie», die großbusige, unversehrte Rothaarige, die für gutes Geld am Telefon Männer tröstet. Davon weiß Erwin noch nichts. 
 

Erwin erträgt weder das tägliche Leben ohne seine Frau, die er noch immer begehrt, noch die Stimme seiner Mutter im Haus, aber er gibt ...

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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 154
von Dietmar Böck

Vergriffen
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