Auslaufende Detonationswellen
Traute Held hat Brustkrebs. Täglich muss sie zur Bestrahlung. Ihre jüngste Tochter hat ihr die Haare abrasiert und bewahrt sie in ihrem Kissen auf, damit sie von der Mutter träumt. Traute verlässt ihre Töchter und ihren Mann Erwin, erstmal, obwohl sie ihn liebt.
Erwin hat ein schlechtes Gewissen, weil er nicht da war, als Traute von ihrer Krankheit erfuhr. Auch eine Affäre hatte er. Erwin versucht alles, um Traute zu halten: Versprechungen, Vorwürfe und vernünftige Gründe.
Traute erträgt es nicht länger, leise im Badezimmer zu kotzen, während der Rest der Familie am Abendbrottisch sitzt. Andere brauchen in dieser Situation ihre Familie, Traute braucht Abstand. Die Zeit wird zu knapp für Alltag.
Mit den Töchtern verabredet sie sich an den Nachmittagen, und Erwin lädt sie von Zeit zu Zeit in ihr Hotelzimmer ein. Rendezvous mit dem eigenen Mann in der eigenen Stadt, das wollte sie schon immer. Und Traute ist auch gerne «Valerie», die großbusige, unversehrte Rothaarige, die für gutes Geld am Telefon Männer tröstet. Davon weiß Erwin noch nichts.
Erwin erträgt weder das tägliche Leben ohne seine Frau, die er noch immer begehrt, noch die Stimme seiner Mutter im Haus, aber er gibt ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 154
von Dietmar Böck
Vor rund sechzig Jahren saß das linke Traumpaar des 20. Jahrhunderts zeitgleich an zwei Werken: Simone de Beauvoir an der frühen Bibel des Feminismus «Das andere Geschlecht», Jean-Paul Sartre an den «Schmutzigen Händen», dem Stück mit der Frage nach dem Verhältnis von Zweck und Moral, Idee und Tat politischen Handelns, durch die er eine weibliche Figur tollen...
Kann sein, dass ihr speziell an diesem Tag so deutlich wie wohl selten sonst der Übergang vor Augen steht, in dem sie sich gerade befindet. Noch einmal hat sie jenes erstaunliche Stück Theaterforschung aus der Erinnerung auf die Bühne zurück geholt, mit dem sie einer breiteren Öffentlichkeit erstmals nachhaltig «aufgefallen» ist: «Die Gerechten» von Albert Camus,...
Man kann in Berlin in diesem Sommer kaum mehr zum Zahnarzt gehen, ohne von einem verzückten Dentisten auf Peter Steins «Wallenstein» angesprochen zu werden. Vielleicht liegt es nur an den berufsständischen Parallelen: Wo der eine zehn Stunden schenkelstarre Zuschaudemut verlangt, lebt der andere von jeher davon, Menschen in einen Sessel zu bitten, in dem sie...
