Fest überm Abgrund

Jette Steckel beschert den Münchner Kammerspielen mit Tschechows Jugendwerk «Die Vaterlosen» Aufwind zum Ende einer durchwachsenen Saison

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Das Leben ist ein Fest, und die schönste Rolle, die man dabei spielen kann, ist die der Gastgeberin. Das strahlt in vergnügtester Weise Wiebke Puls aus, wenn sie zehn Minuten vor Beginn der Vorstellung durchs Foyer der Münchner Kammerspiele schwebt – im schulterfreien, ausladenden Ballkleid, weiße Blüten auf schwarzem Grund, mit einem Kasten Bier auf der Schulter und Decken unterm Arm.

Endlich darf sie wieder spielen, und alle sind eingeladen, alle sollen sich gut fühlen an diesem Abend, als gäbe es kein Morgen – denn morgen wird es zumindest vieles nicht mehr geben, worauf man sich in diesem Stück so lange leichtherzig verlassen hat. Das Gut der jungen Generalswitwe Anna Petrowna, die Puls mit leuchtendem, leicht fiebrigem Elan spielt, wird morgen einem anderen gehören. Die Schulden sind nicht mehr zu bedienen, und der vermeintlich großzügige Gläubiger Glagoljew (robust und romantisch: Edmund Telgenkämper) will seine Rendite – entweder in Form einer Heirat mit der Schuldnerin oder eben in bar.

Alle haben ihr Konto überzogen, teilweise auch schon die Väter, denen der von Tschechow in einem Tagebucheintrag erwähnte Titel «Die Vaterlosen» lakonisch hinterherwinkt. Aber eigentlich ...

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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Silvia Stammen

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