Die Waffen niederlegen?
Im Jahr 2021 beschloss die ungarische Regierung, die 10. Inter - nationale Theaterolympiade mit öffentlichen Geldern in Höhe von 18 Millionen Euro (6,8 Milliarden Forint) zu finanzieren. Ein solcher Betrag wurde noch nie für ein Theaterfestival in diesem Land ausgegeben.
In der von Viktor Orbán unterzeichneten Entschließung heißt es: «In Anerkennung der zentralen kulturellen und strategischen Bedeutung der Austragung der Theaterolympiade 2023 in Ungarn und der Wichtigkeit der Förderung unserer nationalen Identität und unserer nationalen Werte gegenüber der internationalen Gemeinschaft erkennt [der Ministerpräsident] die Notwendigkeit für die Bereitstellung zentraler Haushaltsmittel 2023 an.» Etliche Pro -minente – Romeo Castellucci, Heiner Goebbels, Eugenio Barba, Declan Donnellan, Christoph Marthaler, Peeping Tom, Juliette Binoche, Simon McBurney, Theodórosz Terzopulosz, Suzuki Tadashi, Alessandro Serra, Andrei Serban und viele andere – wurden für Aufführungen und Workshops eingeladen. 400 Ensembles aus 58 Ländern mit mehr als 7500 Teilnehmern zeigten vom 1. April bis zum 1. Juli in 70 Spielstätten im ganzen Land 750 Vorstellungen. Ein größenwahnsinniges Mega-Event, initiiert und ...
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Theater heute August-September 2023
Rubrik: International, Seite 46
von Andrea Tompa
Vor dem eigentlichen Spielbeginn lässt sich eine wortlose Naherfahrung mit dem anderen Geschlecht machen. Sie wird die angenehmste an diesem Abend sein. Eine kleine Peepshow-Box mit zwei Glitzervorhängen (einer für Männer, einer für Frauen) lädt zum Betreten ein. Für mehrere Sekunden stehe ich auf engstem Raum einem sympathischen jungen Mann, dem Schauspieler...
«So, Leute, das Land ist frei.» Arbeit erledigt. Tell schmeißt seine goldene Armbrust in den Teich, mit der er zuvor den tyrannischen, brutalen Reichsvogt Gessler niedergestreckt hat. «Das Land ist frei, das Land ist frei», singen die Fische lustig im Chor und lassen tanzend die Flossen flattern. Und das Publikum klatscht enthusiasmiert mit und jubelt. Eine solch...
Anna ist auf der Flucht, in doppelter Hinsicht: im «Herkunftsland» politisch verfolgt, am aktuellen «Aufenthaltsort» vom Ehemann gestalkt. «Wenn der mich findet», sagt Anna, «der macht mich tot.» Ronja wiederum, gerade achtzehn geworden, soll gegen ihren Willen heiraten – einen Cousin. Der innerfamiliäre Druck wird mit Erniedrigungsschrumpfsätzen à la «Wer will...
