Fake It Till You Make It

Die zwei Seiten der Unsicherheit: In Leipzig versprachstrudelt Katja Brunner in «Die Kunst der Wunde» heutige Realitätsverstörungen, mit «Operation Mindfuck» führen Yael Ronen und Dimitrij Schaad in Berlin die hohe Schule der Verschwörungstheorie vor

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Woran kann man sich da festhalten? Ein aufblasbares Plastikgefängnis als Bühne, an dessen Wän -den man nur abgleiten und in dessen Bodenspalten man versinken kann, darin fünf hyperaktive Sprecher:innen, die alles um sich herum schwindlig reden. Es geht um Erziehung, den Staat, die Zivilisation, die Lohnarbeit, geile Gefühle und noch einiges mehr. Außerdem gibt es einen Stein, der atmet, wenn auch manchmal nur noch flach.

 

Katja Brunner hat mit «Die Kunst der Wunde» (der Stückabdruck liegt diesem Heft bei) ein eindrucksvolles Stimmengewirr angerichtet, das sich erst bei näherer Lektüre zu einem kohärenten Ganzen fügt: der radikalen Krankheitsdiagnose einer Gesellschaft, eingefangen durch Loslabern unter konsequenter Selbsteinkreisung. Denn einen gesicherten kritischen Standpunkt, ein Außen, von wo aus sich eine Ordnung etablieren ließe, gibt es hier nicht. Sarkasmen blitzen auf, Sprachspiele werden gespielt, Monologe brechen aus dem Fels und gehen dann in der nächsten Sequenz wieder verschütt im nächsten Sprechanfall. 

Die Stimmen kreisen um die Imperative, die Zurichtungen und Forderungen eines durchoptimierten beschleunigten Lebens, den damit verbundenen Zwängen und dem, was ...

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Theater heute 7 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Franz Wille

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