Fake It Till You Make It
Woran kann man sich da festhalten? Ein aufblasbares Plastikgefängnis als Bühne, an dessen Wän -den man nur abgleiten und in dessen Bodenspalten man versinken kann, darin fünf hyperaktive Sprecher:innen, die alles um sich herum schwindlig reden. Es geht um Erziehung, den Staat, die Zivilisation, die Lohnarbeit, geile Gefühle und noch einiges mehr. Außerdem gibt es einen Stein, der atmet, wenn auch manchmal nur noch flach.
Katja Brunner hat mit «Die Kunst der Wunde» (der Stückabdruck liegt diesem Heft bei) ein eindrucksvolles Stimmengewirr angerichtet, das sich erst bei näherer Lektüre zu einem kohärenten Ganzen fügt: der radikalen Krankheitsdiagnose einer Gesellschaft, eingefangen durch Loslabern unter konsequenter Selbsteinkreisung. Denn einen gesicherten kritischen Standpunkt, ein Außen, von wo aus sich eine Ordnung etablieren ließe, gibt es hier nicht. Sarkasmen blitzen auf, Sprachspiele werden gespielt, Monologe brechen aus dem Fels und gehen dann in der nächsten Sequenz wieder verschütt im nächsten Sprechanfall.
Die Stimmen kreisen um die Imperative, die Zurichtungen und Forderungen eines durchoptimierten beschleunigten Lebens, den damit verbundenen Zwängen und dem, was ...
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Theater heute 7 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Franz Wille
2./SAMSTAG 21.40, 3sat: Hermann Hesse – Brennender Sommer
Essayfilm, Schweiz 2020, Regie Heinz Bütler, mit Sibylle Lewitscharoff, Silver Hesse, Daniel Behle, Oliver Schnyder, Alain Claude Sulzer, Michael Limberg und Peter Simonischek
4./MONTAG 22.25, 3sat: James Baldwin: I Am Not Your Negro
Dokumentarfilm von Raoul Peck, Schweiz 2016
9./SAMSTAG 22.40, arte: Der...
Was wäre, wenn eine Frau Jahre später ihrem Vergewaltiger erneut begegnete? Und wenn sie die Gelegenheit bekäme, ihn zur Rede zu stellen? In ihrem Stück «Der Vorfall» führt Deirdre Kinahan dieses Gedankenspiel durch. Die irische Autorin, 1968 geboren, hat bereits um die dreißig Theaterstücke geschrieben und zahlreiche Preise erhalten, im deutschsprachigen Raum ist...
Schon bemerkenswert: Gut 180 Jahre lang kümmert sich mehr oder weniger niemand hierzulande um diesen Text. Und kaum behandelt ihn die «FAZ» in der Reihe «Spielplan-Änderung!» als eines der «Stücke, die das Theater braucht», da setzt geradezu ein Wettrennen ein: 2019 erschien besagter Zeitungsbericht, im März 2021 sollte es in Karlsruhe die deutsche Erstaufführung...
