Fake It Till You Make It
Woran kann man sich da festhalten? Ein aufblasbares Plastikgefängnis als Bühne, an dessen Wän -den man nur abgleiten und in dessen Bodenspalten man versinken kann, darin fünf hyperaktive Sprecher:innen, die alles um sich herum schwindlig reden. Es geht um Erziehung, den Staat, die Zivilisation, die Lohnarbeit, geile Gefühle und noch einiges mehr. Außerdem gibt es einen Stein, der atmet, wenn auch manchmal nur noch flach.
Katja Brunner hat mit «Die Kunst der Wunde» (der Stückabdruck liegt diesem Heft bei) ein eindrucksvolles Stimmengewirr angerichtet, das sich erst bei näherer Lektüre zu einem kohärenten Ganzen fügt: der radikalen Krankheitsdiagnose einer Gesellschaft, eingefangen durch Loslabern unter konsequenter Selbsteinkreisung. Denn einen gesicherten kritischen Standpunkt, ein Außen, von wo aus sich eine Ordnung etablieren ließe, gibt es hier nicht. Sarkasmen blitzen auf, Sprachspiele werden gespielt, Monologe brechen aus dem Fels und gehen dann in der nächsten Sequenz wieder verschütt im nächsten Sprechanfall.
Die Stimmen kreisen um die Imperative, die Zurichtungen und Forderungen eines durchoptimierten beschleunigten Lebens, den damit verbundenen Zwängen und dem, was ...
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Theater heute 7 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Franz Wille
Das Grunzen ist ohrenbetäubend. Noch bevor das Licht angeht, hat der Lärm bereits begonnen. Als es hell wird, kreisen zwei gewaltige, silbrige Ringe über die Bühne, zwischen ihnen klemmen Leiber: Schweine auf der Schlachtbank. Oder im Solarium? Sind wir hier bei Tönnies – oder auf den Ringen des Saturn? Irgendwo zwischen Extraterrestrischem und Massentierhaltung...
Und da beim Lesen all der Stücke, beim Diskutieren da - rüber in den Jurysitzungen mit Julischka Eichel und Christiane Rösinger, im Austausch mit dem Haus, mit Bernd Isele und Franziska Trinkaus, mit Claus Caesar und Ulrich Khuon, und dann beim Nachdenken da -rüber, was ich denn hier zu der Eröffnung der Autor:innentheatertage 2022 sagen könnte, immer wieder...
Es gibt diesen einen kurzen Moment. Da berichtet Laura Uhlig von einem auffälligen Knoten, der bei ihr festgestellt wurde und dann glück -licherweise eine harmlose Vernarbung war. Da erzählt Jonas Anders in einem Halbsatz von seiner Krebserkrankung vor zwei Jahren und seiner seither immer währenden Angst vor jeder Nachsorgeuntersuchung. Und da spricht Günter...
