Europa: Schwarzes Loch Zukunft
Auf ihr Talent zum kritischen Hinterfragen der Gegenwart bilden sich zeitgenössische Theatermacher zu Recht etwas ein. Darüber nachdenken, wohin der Zeitgeist uns treibt, und warum, und ob wir dieses Wohin tatsächlich so gewollt haben – das ist ja auch eine vornehme Aufgabe. Vor diesem Hintergrund gute dramatische Geschichten zu erzählen, geht noch mal einen Schritt tiefer als das reine Denken, denn damit wagt man sich in die Höhle der Fiktion, des Ungewesenen. Man bebildert ein schwarzes Loch namens Zukunft.
«In welcher Zukunft wollen wir leben?», das war am Theater Freiburg die dominante spielzeitübergreifende Leitfrage in der Intendanz von Barbara Mundel. Jetzt, da sich Mundels Abschiedssaison ihrem Ende zuneigt, wird diese Frage nochmals gestellt, an vier diskursfreudigen Themenwochenenden über Realitäten und Visionen, die die Bildungsbürgerschicht auf diesem sehr alten, sehr unscharfen Kulturkontinent Europa unmittelbar betreffen.
Am Eröffnungswochenende zum Beispiel sprachen Rathauschefs aus Saloniki, Freiburg und dem belgischen Mechelen darüber, ob Europas Städte die Welt retten können. Zu einem eindeutigen Ja verstieg sich naturgemäß niemand. Glattweg abgelehnt wurde ...
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Theater heute Mai 2017
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Stephan Reuter
Psychopathologie, die den Körpern eingeschrieben wird. Gefühlte Schwäche produziert anmaßende, ihrer selbst nicht sichere Stärke. «nicht schlafen» wurde inspiriert von Philipp Bloms «Der taumelnde Kontinent» sowie der Musik Gustav Mahlers, des spätromantischen Krisen-Diagnostikers aus der Klimazone Sigmund Freuds. In der kulturgeschichtlichen Betrachtung der Belle...
TH: Claudia Bauer, es war gar nicht so einfach, Sie für unser Gespräch zu erwischen. Am Freitag haben Sie in Leipzig Premiere, am Montag darauf ist Bauprobe in Graz, und am Dienstag beginnen die Proben für das nächste Stück in Basel. Schaffen Sie es eigentlich zwischendurch zum Theatertreffen?
Claudia Bauer: Doch, aber die Planung war nicht einfach, weil Basel auch...
Erzählt wird vom Ende her. Titelheld Liliom rammt sich gleich im ersten Bild ein Messer in die Brust und verblutet vor dem Eisernen Vorhang, aus dem sich ein Stahlgerippe in die verschnörkelte Neorenaissance-Architektur des Mecklenburgischen Staatstheaters schiebt. Ein Hamsterrad vielleicht, das einen nicht mehr loslässt, wie schnell man auch rennen mag. Oder ein...
