Europa: Schwarzes Loch Zukunft
Auf ihr Talent zum kritischen Hinterfragen der Gegenwart bilden sich zeitgenössische Theatermacher zu Recht etwas ein. Darüber nachdenken, wohin der Zeitgeist uns treibt, und warum, und ob wir dieses Wohin tatsächlich so gewollt haben – das ist ja auch eine vornehme Aufgabe. Vor diesem Hintergrund gute dramatische Geschichten zu erzählen, geht noch mal einen Schritt tiefer als das reine Denken, denn damit wagt man sich in die Höhle der Fiktion, des Ungewesenen. Man bebildert ein schwarzes Loch namens Zukunft.
«In welcher Zukunft wollen wir leben?», das war am Theater Freiburg die dominante spielzeitübergreifende Leitfrage in der Intendanz von Barbara Mundel. Jetzt, da sich Mundels Abschiedssaison ihrem Ende zuneigt, wird diese Frage nochmals gestellt, an vier diskursfreudigen Themenwochenenden über Realitäten und Visionen, die die Bildungsbürgerschicht auf diesem sehr alten, sehr unscharfen Kulturkontinent Europa unmittelbar betreffen.
Am Eröffnungswochenende zum Beispiel sprachen Rathauschefs aus Saloniki, Freiburg und dem belgischen Mechelen darüber, ob Europas Städte die Welt retten können. Zu einem eindeutigen Ja verstieg sich naturgemäß niemand. Glattweg abgelehnt wurde ...
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Theater heute Mai 2017
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Stephan Reuter
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Der Wunsch zu sterben kann aus einer kaputten Liebe herrühren oder aus verlorener Hoffnung auf Liebe, nur selten kommt er der Liebe und der Hoffnung zuvor, wie bei den fünf Teenager-Töchtern einer puritanischen Bilderbuchfamilie in Jeffrey Eugenides’ tiefschwarzem Romandebüt aus dem Jahr 1993 «Die Selbstmord-Schwestern», die allesamt in der Blüte ihrer Pubertät aus...
Wie erzählt man im Theater angemessen über die Erfahrungen von Geflüchteten? Mangelndes Problembewusstsein kann man der Autorin dabei wirklich nicht vorwerfen. Im Programmheftgespräch erzählt Maxi Obexer von ihrem Bemühen, ihre Recherche unter Emigranten in Potsdam nicht als «Menschenschau» zu präsentieren, bei der «Geflüchtete quasi ausgestellt werden». Wie...
