Liat Fassberg; Foto: J.J.Kucek
Etwas für Nachtbusfahrer
Zufälligkeit, wenn nicht Willkür, bestimmt das Geschehen: Es könnte jedem passieren, zu jeder Zeit. Jeder könnte überall sitzen.»
Passagiere in einem Nachtbus – ein Bus, der über Grenzen fährt. Im Niemandsland Europas unterwegs, Start der Reise unbekannt, das Ziel: irgendwo in Deutschland. Keine dramatis personae in diesem Drama, sondern Sitzplätze, Stimmen. Alle haben Fahrkarten, aber nicht alle haben das Recht zu reisen.
Etwas ist geschehen: Zwei der Reisenden wurden nach einer Polizeikontrolle mitgenommen, herausgezerrt aus der losen Gemeinschaft der Reisenden. Was von ihnen bleibt, sind leuchtende Schuhe – Zauberschuhe? –, die sie fortbringen sollten, die, die durchs Meer gekommen waren. Durch Gedanken, Gespräche, Tweets, Träume, Fragebögen, Downloads erfährt der Zuschauer, -hörer von dem Vorfall. Eine Sinfonie/Kakofonie.
Vater und Kind unterhalten sich darüber, was es bedeutet, «nach Deutschland zu gehören». Es wird leise gesungen, vereinzelt. Ein Liebespaar spricht über die Liebe, Liebe in Zeiten der Unsicherheit, der Bedrohung. Macht der Vorfall alle zu einer Community? Der Community der Davongekommenen? Sehnsuchtsbriefe werden geschrieben. Und Schimpftiraden ...
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Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 162
von Eva-Maria Voigtländer
Erinnern Sie sich noch an die Bundesrepublik? In Bonn lebt man ja quasi in der alten Kulisse dieses untergegangenen Landes, spaziert täglich vorbei an den Baudenkmälern vergangener politischer Macht: Bundeskanzleramt, Villa Hammerschmidt, Langer Eugen. Wie war das eigentlich damals, in der Bonner Republik?
Der Autor Thomas Melle, Jahrgang 1975, ist in Bonn...
Wer wird in Zukunft die Macht, haben – Mensch oder Maschine? Werden wir künftig noch über uns selbst bestimmen? Oder werden wir, weil wir im rechten Moment nicht aufpassten, unsere Souveränität an intelligible Computer und Deep-Learning-Systeme abgegeben haben?
In einer ihrer Kolumnen bei «Spiegel Online» warnt Sibylle Berg uns spöttisch: «Ihre Daten sind...
Eines unserer abendlichen Bettkantengespräche eröffnete mein zehnjähriger Sohn mit dem Geständnis, er verstehe die Politiker nicht. Unsere Gesellschaft fuße doch auf drei Stämmen: der Freiheit, der Gleichberechtigung und der Gewaltfreiheit? Die Politiker jedoch diskutierten in Begriffen, die sich weit von diesen Grundbegriffen entfernt zu haben schienen – Lenz...
