Foto: picture-alliance/dpa

Ersan Mondtag: Totalitäre Demokratie des Zufalls

Wer regiert, wird per Los entschieden 

Sie werden erkennen, dass es eine Utopie ist, die Gleichheit der Lebensbedingungen anzustreben,
dass die Gleichheit nur besteht in der Freiheit der Persönlichkeit, und dass
diese Freiheit gerade die Ungleichheit der Individuen in der Gemeinschaft voraussetzt.


«Auf zwei Planeten»/Kurd Laßwitz

Aperitivo

Man kann über den idealen Staat nachsinnen in der sterilen Abgeschiedenheit einer philosophischen Pornokabine, wo man mit einem Taschentuch in der einen und Habermas in der anderen Hand sich an erhabenen rationalistischen Gedanken befriedigt. Oder man geht hinaus und sucht sich ein Date mit der Wirklichkeit, die mehr mit Freud gemein hat als mit Kant. Am Menschen vorbeizudenken, ist die Ursünde der Abgeho­benheit. Zu unterschätzen, dass ein idealer Staat ein erotisches Angebot zur Identifikation mit ihm voraussetzt, endet in der naiven akademischen Masturbation. Der Mensch ist zutiefst libidinös, und kein Gedanke der Welt wird ihn davon abbringen, dass individuelle Leidenschaften schöner sind als allgemeine Theoreme.

Dies ist das Problem, welches unsere von oligarchischen Corporationen beherrschten Post-Demokratien spaltet: dort die Progressiven, die meist ökonomisch argumentieren, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Der ideale Staat, Seite 14
von Ersan Mondtag