Ethnovati, Girlietochter

Simon Werle «Das Blut des Falken»

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Eine Bettszene in schneeweißen Laken. Jean-Luc (19): «Hier. Ich habe den Feynman für dich ausgeliehen.» – Catherine (18): «Danke. Jetzt nicht.» Feynman ist der Stephen Hawking für gehobene Ansprüche, also nobelpreisdekorierte Quantenphysik mit Populärfaktor. «Danke. Jetzt nicht» – das ist eine Antwort, die es eine Nummer kleiner will, und klingt nach einem Versprechen: Erkunden wir uns lieber selbst, bevor wir die Welt in Angriff nehmen; es könnte kuschelig werden.

Leider wird daraus nichts. Catherine hat gerade andere Sorgen.

Ihr verschollener Vater Diego aus Paraguay ist wieder aufgetaucht und will ein wenig den Wertekanon seiner Tochter hinterfragen. Atomkraft, Konsumlust, Seinsvergessenheit können doch nicht alles sein im Leben eines französischen Teenagers mit südamerikanischen Wurzeln! Da muss mehr Besinnung her, auf das authentische Selbst oder wenigstens auf den modernisierungskritischen Teil davon. Aber Catherine zeigt sich nicht empfänglich für diese Botschaft. Schon ihr Einstieg – «Danke. Jetzt nicht» – steht pars pro toto gegen die geballte Klugheit, die ihr im Laufe dieses neuen Stückes von Simon Werle begegnet. 

Die Klugheit kommt verzaubert daher. Diego (50) zapft am ...

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Theater heute Januar 2007
Rubrik: Chronik, Seite 42
von Christian Rakow

Vergriffen
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