Staffellauf auf Mooslandschaft

Kleist «Das Käthchen von Heilbronn»

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Ein Wesen von zarterer, frommerer und lieberer Art müsst ihr euch nicht denken, und kämt ihr auf Flügeln der Einbildung, zu den lieben kleinen Engeln» – gemeint ist hier in naturgemäß realitätsferner väterlicher Wahrnehmung die eigene Tochter, das Käthchen, eine kleine, mollige Göre, die grimassierend des Vaters Ausführungen kommentiert.

Vater Theobald Friedeborn, bei Christoph Finger ein hektischer Magengeschwürtyp, wendet sich in seiner Verzweiflung nicht mehr an ein Femegericht (wie bei Kleist), sondern an das Publikum, die bürgerliche Mitte, auf deren Verständnis er rechnen kann, schließlich geht es um das besorgt verklärte Beäugen des zumeist einzigen Kindes: Da hatte man schon einen Schwiegersohn für das Mädchen ins Auge gefasst (bei dessen Nennung des Mädchens Zeigefinger tief in ihrem Mund verschwindet), und da läuft sie diesem Graf vom Strahl hinterher, der doch gar nichts von ihr wissen will! Keine Frage, ein typischer Fall elterlicher Überbehütung – das Glas Milch für die Kleine folgt auf dem Fuße.

Dieser doppelbödige Aufgalopp könnte eine Ahnung dessen geben, warum David Bösch sich zum Spielzeitauftakt in Essen das «Käthchen von Heilbronn» vorgenommen hat. Wer jedoch auf ...

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Theater heute Januar 2007
Rubrik: Chronik, Seite 40
von Natalie Bloch

Vergriffen
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