Sinn im Überfluss
Den Skandal gab es schon vor der Premiere. Das Dortmunder Theater warb für Thirza Brunckens «Faust»-Inszenierung mit einem Plakat, auf dem das Foto eines Mannes mit blutig geschlagenem Gesicht zu sehen war. Offensichtlich hatte ihn jemand mit Faustschlägen traktiert. Darüber prangte, wie über allen Dortmunder Theaterplakaten, der Spruch: «Willkommen in Dortmund».
So war die Premiere keine Überraschung mehr: Überdeutlich ist der Wille, dem prominentesten Paradestück der deutschen Theaterkultur neue Perspektiven abzugewinnen.
Mit allen der Regisseurin, dem Bühnenbildner und dem Dramaturgen zur Verfügung stehenden Mitteln, Texten, Materialien, Verweisen wird Goethe überhäuft, um zu prüfen, ob der Klassiker noch zurückschlägt. Christoph Ernst hat eine schräg verkantete Zwei-Zimmer-Wohnung mit Küche und Bad auf die Bühne gestellt, die angefüllt ist mit modernem Wohnungsgerät und alltäglichem Krimskrams, Krempel, Zeug, Abfall. Bücher, Küchengerät, Möbel, Schallplatten, Lebensmittel, Kleidungsstücke, Zeitungen, billiger Nippes – alles stapelt sich, wimmelt auf dem Boden, in den Ecken. So viel weiß man sofort: Faust ist ein Messie. Darüber prangt die Reproduktion einer Fotografie des ...
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