Es ward Demokratie
Nach Lars-Ole Walburgs Düsseldorfer «Orestie» lässt sich noch besser nachvollziehen, warum Michael Thalheimer in seiner Berliner Inszenierung 2006 den dritten Teil, «Die Eumeniden», gestrichen hat. Die Wucht der Tragödie, auf die es hier ankommt, ist mit einer unentschieden endenden Abstimmung, mit dem Schlichterspruch einer gütigen Pallas Athene, also mit Friede und Freude nicht verträglich. Kann man sich bluttriefende Erinnyen tatsächlich an einem langen Tisch sitzend vorstellen, auf blauen Bürosesseln, hinter Mineralwassergläsern? Apoll und Apollinaris?
Walburg kann.
Der Regisseur, in Gestalt der Schauspielerin Silvia Fenz, einer zierlichen älteren Dame mit leicht brüchiger Stimme, bittet die fünf tobenden Rachegöttinnen einfach zu Tisch, Athene klopft gutmenschenhaft an ihr Mikrofon, und siehe da: Es ward Demokratie. Aischylos feiert in dieser Szene mit seinem attischen Publikum eine politische Errungenschaft, den Areopag, die Abschaffung des Blutrechts – dieses Pathos ist so ungebrochen nicht von heute. Und weil Walburg das natürlich merkt, verleiht er dem Ganzen einen ironischen Hautgout, bloß: Gegen wen oder was richtet sich diese Ironie eigentlich? Sie ist nur ein ...
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