Eine Bühne, zwei Romane
Damals, im Frühjahr 2001, zog sich Bert Neumanns Bühne, eine gereihte Ansammlung von Containern und Planken, entlang der Zuschauertribüne in der Zürcher Schiffbauhalle hin. Jetzt, für die Wiederaufnahme der Castorfschen Bearbeitung und Inszenierung von Alfred Döblins Roman «Berlin Alexanderplatz» in der Volksbühne, hat Neumann die lange Container- und Plankenzeile kreisrund auf der flott bewegten Drehbühne zusammengebogen.
Mit dieser Mobilisierung und Konzentrierung schafft Neumann die szenische Voraussetzung dafür, dass Frank Castorf nicht etwa eine matte Kopie der Zürcher Inszenierung hergestellt hat, sondern seine triftigste Arbeit seit Jahren.
Max Hopp als Biberkopf erschien mir in Zürich (TH 5.01) als das entscheidende Manko der Aufführung. Jetzt hat er sich in die Figur hineingearbeitet, in diesen Gelegenheits-Transportarbeiter Biberkopf. Der hat sein Mädchen in blinder Eifersucht umgebracht, jahrelang in Tegel eingesessen. Aus dem Knast kehrt er in die lärmende Stadt zurück, will sich bessern, handelt mit Zeitungen und verkauft fertig gebundene Patentschlipse. Zu diesem Zweck läuft Hopp durch die flachen Regenpfützen, über die Dachpappe auf der Vorbühne bis an die Rampe vor, ...
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Das Wiener Burgtheater hat sich in zwei Großproduktionen gestürzt, riesige Textberge riefen zu ihrer Besteigung auf. Bergauf hätte es gehen sollen mit großen Debatten im Gepäck: über Väter & Söhne, Gott & Teufel, Vatermord & Vater Krieg. Aber dann sah man, schon am Fuß der Textbergriesen scheiternd, nichts als Flachlandtiroler in Nicolas Stemanns Dramatisierung von...
Die Jahre zwischen 1977 und 1980 waren die krisenhafteste Zeit seines Lebens. Im Oktober 1976 war er von einem Wien-Aufenthalt anlässlich einer Inszenierung am Burgtheater nicht mehr in die DDR zurückgekehrt. Im März 1977 wird seine Freundin Gabriele Gerecke bei einem Fluchtversuch an der innerdeutschen Grenze festgenommen und zu drei Jahren Haft im berüchtigten...
Keine Ahnung, was «Schwellenangst» auf Französisch heißt. Es wird schon ein Wort dafür
geben. Aber was Angst vor der «S.» ist, das lässt sich beispielhaft ablesen an der im letzten Sommer erschienenen Saisonbroschüre, mit der Pascal Rambert, der neue Leiter des Théâtre de Gennevilliers, sein Zielpublikum umwirbt. Wobei es sich durchaus um eine prätendierte Angst...
