Es juckt
Ist ins Mainzer Staatstheater die Berliner Schaubühne eingezogen? Das blendend weiße Designer-Wohnzimmer mit Essecke, Couch und riesigem Flachbildschirm könnte gut und gerne Jan Pappelbaum für Thomas Ostermeiers nächsten Ibsen aufstellen. Hier aber hat Susanne Maier-Staufen die Leisten verlegt, und Matthias Fontheim, der Hausherr, inszeniert selbst. Er hat sich dafür ein Stück ausgesucht, das irgendwo zwischen amerikanischem Realismus und Broadway-Boulevard zu Hause ist.
Allerdings kommt «Reiz und Schmerz» witziger und zeitgenössischer daher als der nordamerikanische Dramendurchschnitt, weil der Autor Bruce Norris so leichthändig und lustvoll am Lack von politischer Korrektheit und bürgerlicher Moral kratzt.
Auf zwei Zeitebenen hat er sein Stück angelegt. In der Gegenwart sind Clay und Kelly, ein junges Ehepaar, auffällig und ziemlich unentspannt um Mr. Hadid (Morteza Mojtahedy) bemüht, der in Mainz mit seiner muslimischen Gebetsmütze wie ein Fremdkörper in ihrer todschicken bürgerlichen Idylle sitzt und seltsame Fragen stellt. Er hat seine Frau verloren, und irgendwie besteht ein Zusammenhang zum letzten Familienfest seiner Gastgeber. Per Lichtwechsel geht es also in die ...
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Bernd Noack Herr Berg, wer in Linz aus dem Zug steigt, den erschlägt gleich in der Bahnhofsunterführung förmlich ein Plakat: «Kulturhauptstadt des Führers». Wird man auch auf den Bühnen, die im Rahmen des Festivals bespielt werden, Hitler herumwesen sehen müssen, oder wie soll dieses Stück Stadt-Vergangenheit bearbeitet werden?
Airan Berg Zunächst einmal: Es gibt...
Petra und Udo, die heimatlos Reisenden, die Maja während eines Aufenthalts in Brüssel wohl kennen lernte, tauchen nicht nur plötzlich ganz zwanglos bei Maja auf, sie werfen auch Fragen auf. Was zum Beispiel geschah mit Majas Chefin, die in der besagten Zeit auch in Brüssel war und seither verschwunden ist? Beauftragte die junge Frau die beiden mit dem Mord an ihrer...
Erinnerung in Gegenwart zurückzuverwandeln – davon erzählte Jonke in seinem Theaterstück «Gegenwart der Erinnerung» (1995). Dass das niemals gelingen kann, weil es die Zeit und ihre Risse, die Erinnerung und das Vergessen, ja letztlich sogar Leben und Tod aufheben würde, wusste auch Jonke, und dennoch trieb er sein Spiel mit dieser Möglichkeit. Nicht aber, um sich...
