«Corinna ist ziemlich schonungslos»

Corinna Harfouch rehabilitiert Tschechows Arkadina – ein Porträt

Theater heute - Logo

Corinna Harfouch ist skeptisch. Es sei schon so viel über sie geschrieben worden, sagt sie am Telefon, als wir uns zum Interview verabreden wollen. Und sie langweile sich immer über sich selbst, wenn sie alles wieder und wieder erzähle. Es klingt weder zickig noch kokett: Sondern nach einem reflektierten, nachdenklichen Menschen, der schlichtweg keine Lust auf Anekdotenschauläufe hat und wirklich ernsthaft zweifelt, ob er sich – und dem potenziellen Gesprächspartner – seinen Zweifel zumuten möchte.

 

«Ich habe das einfach noch nicht gelernt und werde es wahrschein­lich niemals lernen», erklärt sie später beim Treffen, «Interviews als Interviews zu betrachten.» Eher komme man bei solchen Terminen ja miteinander ins Gespräch. Wenn es schlecht läuft, «fühlt man sich hinterher – und das ist ein ungeheuer deprimierendes Gefühl – wie ein ausgegossener Krug». Im Rahmen ihrer Filmarbeit, wo Inter­viewtermine vertraglich festgeschrieben sind, hat sie sich das Recht erkämpft, weder in Talkshows sitzen noch für die Yellow Press zur Verfügung stehen zu müssen. «Mich würde das einfach ernsthaft verletzen, in deren Sprache etwas über mich zu lesen.»

 

Sprache ist ein zentraler Punkt, wenn Corinna ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2009
Rubrik: Porträt, Seite 4
von Christine Wahl

Vergriffen
Weitere Beiträge
Prinzip Indifferenz

Zunächst die gute Nachricht: Es werden keine Schuhe geworfen. Die politische Dimension von Albert Camus «Der Fremde» ist historisch, und Sebastian Baumgarten, der den Roman jetzt in Frankfurt zu einem Bühnenstück gemacht hat, verlässt sich auf die Assoziationskraft der Zuschauer, statt Camus’ Algerienparabel künstlich mit Irakverweisen aufzuladen. Gleich zu Beginn...

Weltbild mit Herz

Rosa lebt. Wie bei Che, dessen besternte Baskenmütze sie auf dem Plakat zur Vorstellung trägt, reicht hier der Vorname. Rosa Luxemburg: die Geschichte einer Legende. Das Grips-Theater begegnet der Mutter aller Revolutionen mit liebender Ehrerbietung. Station für Station eines leidenschaftlichen Lebens, 30 an der Zahl in dreieinhalb Stunden, haken Volker Ludwig,...

Being Joachim Meyerhoff

Das Vestibül, die kleinste Nebenspielstätte des Burgtheaters, wird entweder für Mini-Inszenierungen von Regieassistenten oder als intime Lesebühne genutzt, auf der Burgschauspieler in ihrer Freizeit Weltliteratur rezitieren. Auch Joachim Meyerhoff tritt hier regelmäßig mit Leseabenden auf. Allerdings rezitiert er keine Klassiker, sondern Geschichten, die das Leben...