Der deutsche Aufstand neigt zum Grillfest
Franz Wille Wenn man sich das Personenverzeichnis durchliest, besteht die «Kritische Masse» aus alten Bekannten aus den Stücken der 90er Jahre – zumindest den Namen nach: ob nun Gretschke aus «Londn-LÄ-Lübbenau» oder Lothi Ackermann aus «Bis Denver». Und wenn man dann weiterliest, fragt man sich, was seit der Wende oder den unmittelbaren Nachwende-Jahren eigentlich anders geworden ist. Es sind immer noch die nämlichen liebenswerten Dumpfbacken, die etwas distanzlos und schlicht durch ein Leben taumeln, das sie weitgehend überfordert.
Hat sich um und mit diesen Menschen seit damals wirklich so wenig verändert?
Oliver Bukowski Die Figurenbibel des Stückes ist nur knapp zur Hälfte mit dem bestellt, was man als «typisch Ost» bezeichnet. Warum noch immer so viel über etwas, das längst abgeschrieben ist, könnte man freilich fragen. Aber an den konkreten Lebensumständen des Ostlers und seiner Ostlerin hat sich wohl tatsächlich wenig geändert. Das Ost-West-Thema, das damals noch im Vordergrund stand, ist inzwischen erledigt. Es war, wenn man so will, das letzte Thema, bei dem sie wesentlich vorkamen. Die kulturellen Umbrüche der Globalisierung und des verschärften Existenzdrucks sind so ...
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Tschechows «Die Möwe» ist ein zwar solides, mittlerweile jedoch ziemlich ausgetretenes Paar Schuhe im deutschsprachigen Theater. Man kennt sie als Drama der alternden Schauspielkünstlerin (mit Libgart Schwarz oder Jutta Lampe oder Hannelore Hoger); als Generationenkonflikt, dem der aufstrebende Nachwuchs zum Opfer fällt (mit Ulrich Matthes); man kennt sie als...
Corinna Harfouch ist skeptisch. Es sei schon so viel über sie geschrieben worden, sagt sie am Telefon, als wir uns zum Interview verabreden wollen. Und sie langweile sich immer über sich selbst, wenn sie alles wieder und wieder erzähle. Es klingt weder zickig noch kokett: Sondern nach einem reflektierten, nachdenklichen Menschen, der schlichtweg keine Lust auf...
Zunächst die gute Nachricht: Es werden keine Schuhe geworfen. Die politische Dimension von Albert Camus «Der Fremde» ist historisch, und Sebastian Baumgarten, der den Roman jetzt in Frankfurt zu einem Bühnenstück gemacht hat, verlässt sich auf die Assoziationskraft der Zuschauer, statt Camus’ Algerienparabel künstlich mit Irakverweisen aufzuladen. Gleich zu Beginn...
