Der deutsche Aufstand neigt zum Grillfest
Franz Wille Wenn man sich das Personenverzeichnis durchliest, besteht die «Kritische Masse» aus alten Bekannten aus den Stücken der 90er Jahre – zumindest den Namen nach: ob nun Gretschke aus «Londn-LÄ-Lübbenau» oder Lothi Ackermann aus «Bis Denver». Und wenn man dann weiterliest, fragt man sich, was seit der Wende oder den unmittelbaren Nachwende-Jahren eigentlich anders geworden ist. Es sind immer noch die nämlichen liebenswerten Dumpfbacken, die etwas distanzlos und schlicht durch ein Leben taumeln, das sie weitgehend überfordert.
Hat sich um und mit diesen Menschen seit damals wirklich so wenig verändert?
Oliver Bukowski Die Figurenbibel des Stückes ist nur knapp zur Hälfte mit dem bestellt, was man als «typisch Ost» bezeichnet. Warum noch immer so viel über etwas, das längst abgeschrieben ist, könnte man freilich fragen. Aber an den konkreten Lebensumständen des Ostlers und seiner Ostlerin hat sich wohl tatsächlich wenig geändert. Das Ost-West-Thema, das damals noch im Vordergrund stand, ist inzwischen erledigt. Es war, wenn man so will, das letzte Thema, bei dem sie wesentlich vorkamen. Die kulturellen Umbrüche der Globalisierung und des verschärften Existenzdrucks sind so ...
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Ist ins Mainzer Staatstheater die Berliner Schaubühne eingezogen? Das blendend weiße Designer-Wohnzimmer mit Essecke, Couch und riesigem Flachbildschirm könnte gut und gerne Jan Pappelbaum für Thomas Ostermeiers nächsten Ibsen aufstellen. Hier aber hat Susanne Maier-Staufen die Leisten verlegt, und Matthias Fontheim, der Hausherr, inszeniert selbst. Er hat sich...
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