Erzählen um des Erzählens willen
Mit einem Streifzug der Narrationen startet Antú Romero Nunes in die erste Spielzeit unter der Intendanz von Benedikt von Peter und mit einer vierköpfigen Schauspielleitung, zu der neben Nunes die Dramaturginnen Inga Schonlau und Anja Dirks sowie der Schauspieler Jörg Pohl zählen. Vor allem Ovids «Metamorphosen» üben wohl Anziehungskraft auf ein Theater aus, das sich als Verwandlungskunst und Ort der suggestiven Erzählungen versteht.
Insofern ist diese Eröffnung programmatisch zu lesen – und eine «Vorstellung» auch in dem Sinn, dass hier erst mal ein Katalog der ästhetischen Mittel und der Spielweisen aufliegt und jede*r Schauspieler*in reihum kurz zur Kenntnis bringt, wer er*sie ist und was sie so kann.
Gesang des einsamsten Wals
In der Tat ist Ovids Geschichtensammlung eine Quelle für so gut wie alle Stoffe, die nach ihm über die Jahrhunderte die westlichen Dramatiker mit mehr oder weniger Ernst beschäftigt haben, «von Shakespeare über Goethe und Kafka bis Lynch und Cronenberg», wie das Theater Basel auflistet, die ganzen Medeas nicht zu vergessen oder Bernard Shaws «Pygmalion» und so weiter. Geschichten von Göttern und Halbgöttern, denen allen das eine Motiv der Verwandlung ...
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Theater heute Januar 2021
Rubrik: Start Basel, Seite 17
von Andreas Klaeui
Kein Drama. Keine Interpretation. Keine Handlung. Keine Psychologie, kein Naturalismus, keine Subjekte. Stattdessen statisch im Raum stehende Schauspieler, eine weit vom Menschen entfernte Gruppe mit Masken, an Computerspiele, Comic Strips oder Figurentheater erinnernd, Avatare. Sie sprechen einzelne Sätze, oder genauer, sie sprechen sie nach, bewegen zu ihnen ihre...
Allgegenwärtig auf den deutschen Theaterbühnen, wie er es einst war, ist Bertolt Brecht, der Erfinder des V-Effekts, schon lange nicht mehr. Nehmen wir das Theatertreffen als Maß aller Dinge, gab es in den letzten 25 Jahren genau zwei Brecht-Inszenierungen, die es in die Endauswahl schafften: Castorfs «Baal»-Inszenierung 2015 und Christopher Rüpings «Trommeln in...
«Ich bin so traurig, ich brauch Blaulicht», da sitzt er nun, der Frosch, und quakt am Lagerfeuer. «In den alten Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat …», will der Märchenonkel (Lukas Vögler) anheben – «Abgesagt!», schallt es ihm im Chor entgegen. Die arbeitslosen Märchenfiguren treffen sich im Wald und wirken ein bisschen ratlos. «Wat is ab?» Ist doch noch...
