Bremen Theater, Kleines Haus: Das ist kein Witz
«Wir wissen nie, wann eine Geschichte beginnt», stellt Wahab einmal fest. Und eröffnet damit eine Spur, was Wajdi Mouawads «Im Herzen tickt eine Bombe» sein könnte: ein Text, der weniger etwas erzählt, sondern vom Geschichtenentwickeln selbst handelt. Das wäre eine Spur, aber sie interessiert Alice Zandwijk nicht bei der deutschsprachigen Erstaufführung des Monologs in Bremen.
Mouawad-Spezialistin Zandwijk will nichts wissen von Poetologie, sie will auf die Bühne bringen, was hier steht: einen jungen Migranten, der in einer winterlich kalten Exilstadt ans Totenbett seiner Mutter gerufen wird und in dessen Klage sich ein traumatisches Erlebnis aus der vom Bürgerkrieg versehrten Heimat spiegelt.
Mouawad schreibt ständig solche Stücke – Familiengeschichten, in die Weltgeschichte eingeschrieben ist. Bei «Im Herzen tickt eine Bombe» muss man sich schon sehr bemühen, in der geschilderten Familiengeschichte nicht das Leben des Autors zu lesen, der als Kind mit seinen Eltern aus dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Beirut nach Montreal floh, wo die Mutter nach einigen Jahren dem Krebs erlag. Man muss sich bemühen, und die poetologische Ebene des Stücks wäre eine Möglichkeit, diese Geschichte ...
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Theater heute Januar 2021
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Falk Schreiber
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