So schnell verschwindet das Theater nicht
Premierenabend im Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Heike M. Goetze inszeniert Ödön von Horváths «Geschichten aus dem Wiener Wald» als alptraumhafte Theater-Installation, die vom «Volksstück gegen das Volksstück» wenig übrig lässt außer gesichtslosen Zombies, die auf der auf den Kopf gestellten Bühne ihr Unwesen treiben.
Als «eine Geisterpremiere» charakterisiert Schauspielhaus-Intendantin Karin Beier den Abend: Der Schutz vor der Corona-Pandemie hat ihr Haus wie alle deutschen Bühnen zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate in einen Lockdown gezwungen, kein Publikum darf die Säle betreten. Im Gegensatz zum Frühjahr darf allerdings noch geprobt werden. Auch Premieren dürfen im Grunde gefeiert werden, nur eben ohne Zuschauer*innen. Und Beier lässt die Premiere zu, im leeren Saal: Das Stück wird live gestreamt und ist so etwas anderes als die Theater-Streamings, mit denen die Bühnen im Frühjahr ihre Websites bespielten und die genau genommen online gestellte Theatermitschnitte aus der Konserve waren. Diesmal aber wird die durch den Frühjahrs-Lockdown in Frage gestellte Losung «Theater ist live» ernst genommen; all das, was man (in diskutabler Übertragungsqualität) auf dem Bildschirm ...
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Theater heute Januar 2021
Rubrik: Streams, Seite 9
von Falk Schreiber
Die Zeit hat Hans Castorp und seinen Autor Thomas Mann im «Zauberberg» sehr beschäftigt, auch wenn beide mit ihren Überlegungen nicht weit kommen. Sie sei eine Bewegung, heißt es dort in wohlgesetzten Worten, aber was, wenn keine Bewegung wäre? Gäbe es dann auch keine Zeit? Und was heißt überhaupt ewig? Schließlich einigen sich Hauptfigur und Autor darauf, dass...
1. SZENE
Erster Mann. Zweiter Mann. Dritter Mann. – Erster und Zweiter Mann sind außer Atem.
Erster Mann Der verdammte Fucker! Der verdammte Scheißkerl! Der verdammte Scheißfucker!
Zweiter Mann Das ist deine Schuld, du Arschloch! Das ist ganz allein deine Schuld, du Scheißarschloch!
Dritter Mann Sagt mir, was passiert ist. Ich will wissen, was passiert ist! Ihr...
Sie seien privilegiert, merken Lisa Jopt und Nicola Bramkamp gleich in ihrer Eröffnungsrede zu «Burning Issues meets Kampnagel» an, sie als weiße cis-Frauen. Also fassen sie sich kurz, denn schließlich bedeute Redezeit Sichtbarkeit. Und so treten die Veranstalterinnen Jopt und Bramkamp nach einem prägnanten, aber herzlichen Willkommen rasch zur Seite und öffnen die...
