Die Satanslalle

Helge Schneider «Aprikose, Banane, Erdbeere – Kommissar Schneider und die Satanskralle von Singapur»

Theater heute - Logo

Kommissar Schneider ermittelt. Aber was klärt er auf? Nichts. Verwirrung, Dimensionsverschiebung ist das Ziel. Helge Schneiders Krimis sind keine Whodunits, sondern Dschungelbücher, semantische Irrgärten aus der zur Banalität befreiten Phantasie.

Hatte Helge Schneiders verwirrtes Musical «Mendy, das Wusical» noch so etwas wie eine Handlung, wenn auch keinen Zusammenhang, so wird in seinem zweiten Bühnenwerk für das Bochumer Schauspielhaus die spezielle kriminalistische Kombinationslogik vollends zerstäubt, aufgelöst, verpufft.

«Beim SPD-Parteitag ist es in Bochum zu Ausschreitungen gekommen. Die Politiker sind ein paar Schritte im Park gegangen.» Kommissar Schneider antwortet auf diesen Scherz ernsthaft: «Wenn ich jetzt nicht über ihren Wortwitz lache, liegt es daran, dass ich zu hart bin für solche weichgezeichneten Humoresken. Ich ziehe harte, derbe, ja sogar schlimme Witze vor.» Diese derben Witze erweichen auch dem härtesten Helge-Schneider-Skeptiker das Hirn. Und die weichen Wortwitze erhärten den schlimmsten Verdacht: alles nur Blödsinn. Wer Selbstironie für ein Zeichen von Intelligenz hielt, wird hier belehrt. Man kann sich selbst auch ganz banal durch den Kakao ziehen, auf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2005
Rubrik: Chronik, Seite 38
von Gerhard Preußer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ente mit Porschemotor

Von außen sieht das Babelsberger Studiogelände aus wie eine Strumpfhosenfabrik. Nur dass vor den Werkstoren immer eine Traube pubertierender Autogrammjäger auf ihre Serienstars wartet. In den zwei klimatisierten Bürokomplexen der «Grundy Ufa» arbeiten 140 Mitarbeiter von Montag bis Freitag an der täglichen Fernsehserie «Gute Zeiten, schlechte Zeiten». Die wenigsten...

Schwester Courage

Die junge Frau mit der roten Strickjacke stößt einen tiefen, wunden, würgenden Schrei aus. Es ist der Moment, in dem sie begreift, dass sie sterben wird: Nicht irgendwann später, wie jeder Mensch glaubt, nicht frühestens 99 Tage nach dem Gerichtsurteil, wie morgens Zellengenossin Else versprochen hat, sondern noch heute, gleich. So will es das Nazi-Regime, das an...

Das winzige Stückchen Punk

Nachmittagsvorstellung an einem Sonntag im Januar, volles Haus, das Schweizer Fernsehen ist auch da und filmt für irgendeine Kultursendung. In der Pause fragt das blonde Garderobenfräulein: «Und? Finden Sie das jetzt auch obszön? Also, ich habs ja noch nicht gesehen, aber viele Leute sagen, das wäre total obszön!» Hm. Nach der Pause sind die drei alten Damen aus...