Crashtests mit Handbremse
Früher war alles besser. Die Luft frischer, die Zigaretten billiger, und auch die Liebe war noch nicht eine Ansammlung gescheiterter Versuche, sondern die Liebe eben. Das gilt allerdings nur, solange dieses «früher» auch «früher» bleibt. Steht es jedoch eines Tages leibhaftig vor der Tür und tut so, als wäre es gerade mal eine halbe Stunde her, seit man sich zum letzten Mal geküsst hat, dann ist das zweifellos ein Schock.
Was tun, wenn plötzlich die Vergangenheit in der Gegenwart auftaucht und behauptet, die Zukunft zu sein? Frank und seine Frau Claudia sind gerade beim Packen, ein Umzug nach Übersee steht bevor, als Romy Vogtländer, Franks längst vergessene Jugendliebe, hereinplatzt und sein vor 24 Jahren gegebenes Versprechen ewiger Liebe einlösen will. So einfach, so kompliziert. Was folgt, ist eine systematische Demontage bequemer Lebenslügen. Mit ungebremster Wucht kracht der archaische Absolutheitsanspruch in die kompromiss-gepolsterte moderne Beziehungskiste. Roland Schimmelpfennigs jüngstes Stück «Die Frau von früher» erinnert daran, was Liebe einmal war, eine Ungeheuerlichkeit, und zeigt gleichzeitig, was aus ihr geworden ist, Verhandlungsmasse im emotionalen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Man hat sich schon oft gefragt, wo die DDR geblieben ist. Einzelne Leichenteile konnten in bisher 50 Folgen der ZDF-Serie «Der letzte Zeuge» auf dem Seziertisch der Gerichtsmediziners Dr. Robert Kolmaar in Augenschein genommen werden, im Hauptabendprogramm. Es handelte sich dabei nicht um tragende Säulen des ideologischen Skeletts, sondern um Fetzen des emotionalen...
Was ist das für ein Posa? Wenn der allseits beliebte Freiheitsheld zum ersten Mal in Kamelhaarmantel und elegantem Schal die Drehbühne des Leipziger Schauspiels betritt, gleicht er einem ambitionierten Jurastudenten, dressed to succeed beim Vorstellungsgespräch in der global agierenden Kanzlei. Die heftige Umarmung seines bäuerlichen Prinzenfreunds Karlos erduldet...
Otto will Sex, und Hilde will keinen. Und wenn so eine ganz alltägliche Verweigerung auch noch von einer ganzen Spiegelwand im Mansardenschlafzimmer reflektiert wird, sollte das für einen testosterongeplagten Möchtegerncowboy wie Otto umso peinlicher sein. Ist es aber natürlich nicht. Otto (Thomas Huber) kann sich zum Beispiel seelenruhig im Badezimmer über...
