Empörenswerter Haufen
Sandrine Zenner flitzt über die Bühne und stößt im Stakkato Zahlenkolonnen hervor. Über wie viel Geld deutsche Millionäre verfügen (über 3,2 Billionen Euro), wie viel Vermögen die reichsten 226 Deutschen haben (15-mal so viel wie die unteren 40 Millionen zusammen) und wie viele Millionäre es hierzulande gibt (mehr als Japan, Frankreich und Großbritannien zusammen).
Ihre Mitspieler:innen werfen ihr Stichworte zu, und die Zahlenschleuder geht weiter: Durchschnittsrente im Osten, im Westen, bei Frauen? Der Stundenlohn der BMW-Erb:innen Susanne Klatten und Stefan Quandt? Die optimale Trinktemperatur einer Coca Cola?
Zenners Solo spitzt den Ton des Abends selbstironisch zu: Im Kleinen Haus des Staatstheaters Wiesbaden widmen sich Regisseur Helge Schmidt und sein Team in ihrer Uraufführung «Unser Erbe. Tax me if you can» dem Thema Steuergerechtigkeit. Ihr Dokumentartheaterstück verbindet die Recherche zur aktuellen ungleichen Vermögensverteilung mit Expert:innen-Interviews zu Erbschafts- und Vermögenssteuer sowie historischen Ausflügen in das Deutschland der 1930er Jahre – und, überraschend genug, mit Auszügen aus Helga Schuberts Buch «Der heutige Tag», in dem die Schriftstellerin ...
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Theater heute März 2025
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Esther Boldt
Die Cheche Gallery auf dem Gelände des Nationaltheaters platzt aus allen Nähten. Immer neue Zuschauer:innen kommen herein, setzen sich auf und neben die Hocker, die locker um eine frei stehende Badewanne und einen mit Büchern und Manuskripten überwucherten Schreibtisch gruppiert sind. Zwischen all den Menschen kniet eine leise wimmernde junge Frau, rutscht wie in...
Zwei Tische auf der Bühne, alte Schultische. Voll mit Büchern und einer Schreibmaschine der eine, voll mit Schuhen, Leder und Werkzeug der andere. Von einander abgewandt sitzen davor, an entgegengesetzten Punkten der Peripherie der Drehbühne, Lenú und Lila, die zwei Freundinnen aus Grundschultagen. Wer ist hier die geniale? Auch in Elena Ferrantes vierbändigem...
Breit und flach ist die Bühne im Großen Haus. Ein Sofa vor einer Schrankwand. Was ist zu erwarten? Eine flache Komödie im Sitzen oder auch eine Sittenkomödie mit Aufstehen (Vulgärübersetzung von «Sitcom»)? Hinter den Klappen verbergen sich Dinge: eine Waschmaschine, ein Kühlschrank, eine Kaffeemaschine (Bühne Susanne Hoffmann). Verborgene Tiefe wird also ans Licht...
