Eine Herausforderung
Wer nach einer schnellen, runden, konsumablen «Perser»-Interpretation sucht, die das antike Drama auf ein paar gängige Aktualisierungen herunterbricht und als gutverdauliche 90-Minuten-Terrine serviert, ist mit Dimiter Gotscheffs Inszenierung (siehe TH 11/06) eindeutig schlecht beraten. Keine saloppe Verstehens-Anbiederung, die so tut, als wäre Aischylos’ Tragödie ein rotziges Gegenwartsstück; keine eingängige Übersetzung, die suggeriert, das antike Drama sei ein netter Fernsehfilm.
Und vor allem keine Schauspieler, die sich die fremd-vergangene Welt mit den psychologischen Reflexen von heute anverdauen und mundgerecht wieder von sich geben.
Stattdessen – eine Zumutung. Schon Heiner Müllers Übersetzung, die dem alten Text streckenweise wortwörtlich folgt, erfordert genaues Zuhören. Dann fünf Schauspieler, die den Text nicht erklären oder illustrieren, sondern hochkonzentriert und mit einiger Intelligenz nach unten senden, aber das Denken, was er denn heute zu bedeuten habe, dem Zuschauer überlassen. Schließlich eine Bühne, die sich mit einer simplen Wand begnügt, um Paläste erstehen und vergehen zu lassen.
Die Geschichte vom Untergang des siegesgewissen Perserheers, das Xerxes ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Vielleicht geht einem nach dem circa 70. Stück doch langsam der Stoff aus für gut gemachte Gesellschaftskomödien? Vielleicht verliert ein «Sir» auch ein wenig an Bodenhaftung, der Draht zu den wirklichen Problemen der Zeit ist gekappt, statt zynisch ist der Humor längst nur noch dickflüssig und zäh, von Ideen fehlt jede Spur. Aber es muss was Neues her. Unter «A»...
Sie sind schick und gebildet, haben nichts gegen einen Fick und hassen die «Vollbandagierten», diese «Moraltanten» mit den «Mumientüchern». Kurz: Es sind junge Türkinnen in Deutschland mit «ausgesucht gutem» Deutsch, die offensichtlich Schluss gemacht haben mit dem dogmatischen Islam ihrer Vorfahren. Sie sind, so darf man meinen, angekommen im Westen. Bravo, ruft...
Im Grunde schreibt Elfriede Jelinek schon lange keine Stücke mehr. Sie stellt Textblöcke zur Verfügung, aus denen bei entsprechender Behandlung Theater werden kann. Sie sind dabei nicht zimperlich, diese Texte, im Gegenteil, sie wollen hart rangenommen werden. Dafür sind sie aber auch zu allem bereit und gänzlich uneitel, wenn es darum geht, sich offensiv benutzen...
