Eine Frage der Richtung
Der Orientierungssinn von Katharina Lorenz ist eine Katastrophe. Auf dem Weg von der Probebühne nach Hause nimmt die Schauspielerin immer wieder abenteuerliche Abzweigungen, und wenn sie in einem Restaurant auf die Toilette geht, kann es schon vorkommen, dass sie hinterher ihren Tisch nicht mehr findet. Die kleine Schwäche kann auch bei der Arbeit zum Problem werden. In der «Othello»-Inszenierung am Akademietheater, in der sie Desdemona spielt, muss sie einmal durch die Unterbühne zu einem Auftritt – und ging stets in die falsche Richtung.
«Mittlerweile ist da unten eine Frau an meiner Seite, die mich zur richtigen Tür bringt.»
Zum Gespräch ins Café Heumarkt – einem sympathisch unmodernen Lokal, in dem vor ungefähr 40 Jahren die Zeit stehen geblieben ist – hat Katharina Lorenz ohne fremde Hilfe gefunden. Sie wohnt in der Nähe und ist öfter hier. Wir haben zwei Termine vereinbart, einen kurz vor der «Othello»-Premiere, einen kurz danach. Beim ersten Gespräch wirkt sie etwas nervös, beim zweiten ziemlich erschöpft.
Das Auffälligste an der Schauspielerin Katharina Lorenz ist, dass sie einem sofort auffällt, obwohl sie eigentlich gar nichts Auffälliges macht. Man könnte sagen, sie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sie war sehr klein. Sie war sehr groß. Sie war die Größte. Erna Baumbauer managte nur die Besten. Eine kleine, zierliche Frau, die sich auch von Regisseur Stephen Spielberg nichts sagen ließ, geschweige denn von irgendeinem Hollywood-Produzenten. Um ihre Schauspieler und Schauspielerinnen kämpfte sie wie eine Löwin. «Die Königin von Bayern», diesen liebevollen...
In der U-Bahn würde einem dieser Typ nicht auffallen. Nicht besonders groß, nicht besonders schlank, weder schön noch hässlich, in Jeans und T-Shirt. Wild schlägt und hackt dieser Durchschnittstyp in die Luft, bevor er sich einem Holzklotz zuwendet und ihn so zum Bersten bringt, dass die Splitter ins Publikum fliegen. Die Eingangsszene des ins Nichts dreschenden...
Das Stück ist eine Irritation. Vor zwei Jahren hatte es seine Uraufführung in Kopenhagen, und schon damals muss es wie aus der Zeit gefallen gewirkt haben. Ein Eindruck, der nun, bei der deutschsprachigen Erstaufführung, noch stärker ist. Alexander Nerlich inszenierte Dejan Dukovskis «Leere Stadt» im Marstall-Theater des Bayerischen Staatsschauspiels in München,...
