Eine andere Zeitzone
Das ideale Ensemble erwacht um 5.19 Uhr bei Sonnenaufgangunter der Brücke, es hat mit einem Chor von Bürgern die Nacht verbracht, um die Räumung eines Obdachlosen zu verhindern. Das ideale Ensemble geht direkt auf die Probe und fühlt sich trotz der kurzen Nacht ausgeruht, es hat sich regelrecht erholt in der letzten Zeit und die Massenproduktion den neuen Märkten überlassen.
Es schlendert auf die Probe und schaut auf den Wunschspielplan, den tatsächlich alle Bürger dieser Stadt erstellt haben.
Der Spielplan hängt laminiert im Flur vor der Probebühne, daneben Fischli und Weiss: «how to work better»: 1. DO ONE THING AT A TIME, 2. KNOW THE PROBLEM, 3. LEARN TO LISTEN, 4. LEARN TO ASK QUESTIONS, 5. DISTINGUISH SENSE FROM NONSENSE, 6. ACCEPT CHANGE AS INEVITABLE, 7. ADMIT MISTAKES, 8. SAY IT SIMPLE, 9. BE CALM, 10. SMILE. Lächelnd betritt das Ensemble die Probebühne, in der Mitte des Raumes krabbeln Kinder umher, sie erziehen sich gegenseitig und rufen immerzu Theater, Theater und bauen Stuhlreihen für ein fiktionales Testpublikum auf. Taboris Hütehund umkreist die eigenwürdige Gemeinde.
Das Ensemble hat sich selbst ermächtigt: Das Wissen um hoch komplexe Organisationsprozesse ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Der Ensemble-Konsens, Seite 82
von Veit Merkle
«It’s not because I’m old
It’s not the life I led
I always liked it slow
That’s what my momma said»
Leonard Cohen
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