Ein weißes Mittelklassekind

Bernd Stegemann über Jack Thornes «Bunny»

Theater heute - Logo

Luton ist eine mittelgroße Stadt in Mittelengland. Die letzte Industrieproduktion schloss 2002 ihre Werkstore, allein der Flughafen mit den Starts der Billigflieger wächst. Luton wurde im II. Weltkrieg großflächig von deutschen Bomben zerstört.

Ein Sommernachmittag in Luton, eine Schüle­rin wird von ihrem Freund von der Orchesterprobe abgeholt. Der Freund ist ein Schwarzer, Katie ist weiß, und sie ist unsicher, ob und wann sie das erwähnen soll, denn Katie selbst erzählt uns die Geschichte dieses Nachmittags.

Ihr Freund Abe hat auf sie gewartet, sie schlendern los, er kauft ein Eis, sie plappert vor sich hin. Ein Radfahrer überholt sie und streift ihren Freund am Arm, das Eis fällt zu Boden. Abe ist wütend, tritt dem Fahrrad in die Speichen, der Junge stürzt. Es entsteht ein Kampf, dem Katie zuschaut. Ihr Freund verliert das kurze Ringen. Der fremde Junge fährt keuchend davon. Abe rappelt sich langsam hoch. Zwei seiner Freunde, Asif, ein Pakistani, und Jake, ein Weißer, kommen vorbeigefahren. Sie haben alles gesehen und beschließen, den Radfahrer zu verfolgen. Als sie ihn finden, kann er Katie überrumpeln und entkommen. Der Anführer der kleinen Gang, Asif, schickt die beiden anderen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 173
von Bernd Stegemann

Weitere Beiträge
Totenbeschwörung auf der Insel

Das ist der Tod, der vor mir steht – lacht!» Mit diesem Motto beginnt Emine Sevgi Özdamars Umwidmung eines barocken Totentanzes zu einem Memento mori in sieben Szenen, zu einem grausigen und komischen Spiel über Krankheit, Verlas­senwerden, Sterben im Exil und die Kraft, die der Mensch dagegen mobilisieren kann. Sie feiert keinen Kult der Vergänglichkeit, in dem...

Der konstitutive Konflikt

Jeder kennt sein Spezial-Ärgernis, aber gibt es auch einen Konflikt, der uns alle etwas angeht? Und wenn ja, wie viel? Und was bedeutet das fürs Theater?

Ein Blick auf die Konfliktlagen der letzten Saison und in die «Süddeutsche Zeitung» vom 28. März. Über die Münze der Größe, die Meister der Partikularisierung, politische Konfliktvermeidung, Freunde suchen, große...

Gretchenpalimpsest aus dem Keller

Wer sich gefragt hat, wo eigentlich Elfriede Jeli­neks Text oder Stück zum Fall Josef Fritzl bleibt – hier ist er oder es. «FaustIn and out» schaut in die Hölle, die sich vierundzwanzig Jahre lang in einem unterkellerten Haus in Amstetten in Öster­reich befand. Der mittlerweile zu lebenslanger Haft verurteilte Fritzl hatte seine Tochter im Keller eingesperrt, mit...