Ein lauter, galliger Witz
Die Anforderungen sind durchaus abschreckend. Ein Master-Studienabschluss sei für eine diplomatische Karriere Pflicht, singt Anne Tismer. Außerdem perfekte Kenntnisse in Französisch und Englisch. Die Bereitschaft, alle drei Jahre umzuziehen. Und so weiter, puh. Tismer singt, Gotta Depri trommelt. Und dann grinst er: Den ganzen Text habe sie ja wohl fleißig auf Wikipedia zusammengeklaubt. Es ist gar nicht so einfach, mit der postkolonialen Position; wenn man da nicht absolut sorgfältig vorgeht, steht man schnell als Blender da.
«Der Botschafter» ist zunächst ein typisches Stück des gleichzeitig zwischen Europa und Westafrika wie zwischen Tanz, Musik und Theater wandelnden Regieduos Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen: Ein multiethnisches Ensemble versucht, mittels einer eklektizistischen Popkultur-Performance-Politik-Mischung soziale Gemengelagen der jüngeren westafrikanischen Geschichte zu durchleuchten. Im Gegensatz zu früheren Arbeiten wie «Mobuto choreografiert» (2013) und «Identitäten dehnen» (2014) folgt «Der Botschafter» allerdings einer recht klaren narrativen Struktur: Erzählt wird, wie der deutsche Diplomat Ritter während der 90er Jahre in verschiedenen ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Falk Schreiber
Spekulationsstand zu Beginn der #TT16-PK: Thalheimer, Castorf, Pollesch, Nunes, Marthaler, Rau, Dortmund, Henkel, Richter, Lösch, Fritsch», twitterte es kurz vor der Verkündigung der Theatertreffen-Auswahl 2016 durchs Netz. So kann man sich verspekulieren. Überschneidung von Spekulation und Realeinladung: eine! Ja, Herbert Fritsch hat es wieder ins TT geschafft,...
Nicht nur Fliegen wäre schöner, sondern auch schon ein Sonntagsausflug, bei dem nicht nachträglich die Biergartenzeche bis auf den Pfennig nachgerechnet würde. Dabei hat Otto «Mensch» Meier seine Träume ohnehin schon auf Miniaturformat geschrumpft, wenn er nachts im Hobbykeller an seinen Modellflugzeugen bastelt. Tagsüber ist er für 14 Schrauben am neuen BMW-Modell...
Familiendramen finden noch öfter in der Wirklichkeit statt als auf der Bühne. Aber auch der im 19. Jahrhundert entwickelte Dramentypus ist unverwüstlich. Jens Albinus, der dänische Filmschauspieler, Dramatiker und Regisseur, hat diese Tradition weitergeschrieben. In seinem neuen Stück scheinen die Grundrisse aller Vorgängermodelle durch. Aber er treibt die Analyse...
