Köln: Die Tücken des Ungesagten
Familiendramen finden noch öfter in der Wirklichkeit statt als auf der Bühne. Aber auch der im 19. Jahrhundert entwickelte Dramentypus ist unverwüstlich. Jens Albinus, der dänische Filmschauspieler, Dramatiker und Regisseur, hat diese Tradition weitergeschrieben. In seinem neuen Stück scheinen die Grundrisse aller Vorgängermodelle durch. Aber er treibt die Analyse ein Stück weiter.
Er nimmt einen Extremfall von Patchwork-Familie als Ausgangspunkt: Eine wegen weltweiter künstlerischer Tätigkeit abwesende Mutter dreier Töchter (Tschechow) von verschiedenen Vätern unterschiedlicher Nationalität kehrt zurück. Anlass ist die Verlegung des Grabes der bei einem Verkehrsunfall gestorbenen mittleren Tochter (Norén).
Betrieben wird die Familienzusammenführung von der jüngsten Tochter. Ihr Vater, ein gescheiterter Schriftsteller, hat im Haus der Mutter die Töchter erzogen. Die von der Jüngsten ersehnte «family reunion» wird natürlich ein Showdown: Jeder rechnet mit jedem ab, die Katastrophe folgt. Der Vater will sich erschießen, trifft aber nur seinen Fuß (Ibsen). Der Freund der Jüngsten, ein kiffender Softie und Flüchtlingshelfer, setzt, um sich endlich einmal als Täter und nicht nur als ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Gerhard Preußer
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In der Betonwand klafft ein riesiges Loch, durch das eine überdimensionale Lokomotive gebrochen ist. Jetzt steht sie da, dampfend – und wartet auf neue Ziele. Die Eisenbahn, sie wird in Suse Wächters Inszenierung des Hauptwerkes von Günther Anders zum Sinnbild für den technologischen Fortschritt. Und zum Startschuss einer Entwicklung, die den Menschen an ihrem Ende...
Dass das Theater bei seinem Besuch im Deutschen Bundestag vor «spielerischen Versuchsanordnungen» nicht zurückschrecken würde, war zu befürchten. «Ich bitte Sie jetzt – ohne lange zu überlegen – ihren politischen Standort zu bestimmen», leitet die freundliche Dramaturginnen-Stimme eine Gruppe von gut 150 Menschen im SPD-Fraktionssaal bei der «Aufwärmübung» an....
